Ein Auto und seine Geschichte

Die kleine Feuerwehr

Hinter den 1,4 Millionen Inseraten bei mobile.de stecken zahllose Geschichten und Anekdoten. Viele dieser Auto-Geschichten sind einen Klick wert. Zum Beispiel diese hier.

Tatüü-tataa... Mit wild flackerndem Blaulicht und gellender Sirene kurvt das Feuerwehrauto um die Ecke – allerdings nur noch in seinen Träumen. Denn LF8 von der Freiwilligen Feuerwehr Kohlberg bei Nürtingen ist im Ruhestand. Ob es den genießen kann, hängt von seinem nächsten Käufer ab: Derzeit bietet ein holländischer Autohändler das Einsatzfahrzeug über mobile.de zum Verkauf an. Mitsamt Blaulicht, Martinshorn und einer leistungsfähigen Frontpumpe. Ein Stück Feuerwehrgeschichte: Von diesem Typ waren in Deutschland bis vor wenigen Jahren Tausende im Einsatz, vor allem bei den vielen Freiwilligen Feuerwehren auf dem Land. Wenn LF8 sprechen könnte, würde es bestimmt spannende Geschichten zu erzählen haben – von nächtlichen Alarmfahrten durch Schwaben, von Scheunenbränden und Verkehrsunfällen, aber auch von fröhlichen Feiern im Dorf, bei denen die Feuerwehr als Organisator traditionell überall eine wichtige Rolle spielt.

Nur 16.000 Kilometer gelaufen

Manchmal sagt der Kilometerstand wenig über die wahre Leistung aus: Das betrifft zum Beispiel Arbeitsmaschinen, die nur kurze Strecken hinter sich bringen; und das gilt auch für Einsatzfahrzeuge, deren Bedeutung in einem Bereich liegt, der schwer zu messen ist. So wie dieses alte Feuerwehrauto aus Schwaben. Es wurde 1976 gebaut und im Sommer 2009 außer Dienst gestellt. Nach 33 Dienstjahren hat es nur 16.000 Kilometer absolviert, doch was zählt, ist die Präsenz. Die meiste Zeit wartete es im Gerätehaus der württembergischen Gemeinde Kohlberg auf seinen Einsatz, und wenn es gebraucht wurde, war es da. "War schon ein knuffiges Auto", sagt der Kommandant der Wehr Kohlberg, Arnold Luisoder, in einem Anflug von Melancholie. Eine Bedarfsanalyse hatte LF8 aufs Altenteil geschickt: Die gestiegenen Anforderungen an die Feuerwehr als universeller Hilfsdienst konnte es nicht mehr erfüllen. Eine hohe Leiter sowie spezielle Geräte wie etwa hydraulische Spreizer, um Personen aus Unfallautos zu befreien, fehlten in der Ausrüstung.

"Mit 20 km/h den Berg hinaufgeschneckelt"

Nicht alle trauern dem kleinen Feuerwehrauto hinterher in der Wache Kohlberg: "Desch is a lahme Gurke", schwäbelt der langjährige Obermaschinist Werner Laubheimer. Er hatte bei zahlreichen Einsätzen am Steuer des LF8 seine liebe Mühe: Beim Motor handelt es sich nämlich um den 2,3 Liter großen Vierzylinder, den Mercedes auch in seinen Mittelklasse-Limousinen verbaute. Was für 1,5 Tonnen eine angenehme Mobilität bedeutete, war für die fünf Tonnen des hochbeinigen Katastrophenschutz-Einsatzwagens eine Katastrophe: "Mit 90 PS ist der total untermotorisiert", so Laubheimer. Dazu soff die Maschine gewaltig: Da der 230er damals noch keine elektronische Einspritzung besaß, waren mehr als 20 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer die Regel.

Als die Feuerwehr 1983 dann noch eine 18-Meter-Leiter auf Anhänger bekam, musste der Motor eine weitere Zentnerlast hinter sich herschleppen. "Bergauf sind wir oft nur mit 20 km/h hochgeschneckelt", erinnert sich der Kommandant Arnold Luisoder versonnen. Oft habe man im Einsatz das Blaulicht sogar ausgeschaltet, um anderen Autos ein Überholen zu ermöglichen und damit nicht allzu sehr zum Verkehrshindernis zu werden.

Hilfe für den Nachbarn: Lebensretter LF8

Auch bergab war Umsicht notwendig, denn das hohe Gewicht und die schwachen Trommelbremsen verlängerten den Bremsweg erheblich. "Die Bremsen waren ein echtes Erlebnis", sagt Kommandant Luisoder lächelnd. Dennoch, LF8 konnte seinen Teil dazu beitragen, dass die Freiwillige Feuerwehr Kohlberg bei Verkehrsunfällen und Hausbränden immer wieder Leben gerettet hat. Seine Bewährungsprobe hatte das Auto schon im Sommer 1978, als bei einem Hochwasser zahlreiche Keller im Neckartal volliefen. "Da haben wir rund um die Uhr gepumpt", erinnert sich Werner Laubheimer.

Weitere Höhepunkte in der Karriere der kantigen Kiste waren Hausbrände, Karambolagen auf den umliegenden Straßen und immer wieder Übungen für den Ernstfall. Die längste Reise machte das Löschgruppenfahrzeug (dafür steht die Abkürzung LF) zur damaligen Partner-Feuerwehr im österreichischen See. Seit Sommer 2009 ist es nun im verdienten Ruhestand. An seine Stelle trat ein anderer Mercedes, allerdings um einiges größer. Laubheimer, inzwischen Pensionär wie sein Auto, freut sich: "Was Neues ist ja auch mal schön."

 

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