Wer spart, bezahlt mit Sicherheit

Preisbewusstsein lohnt nicht um jeden Preis: Zwischen Markenreifen und Billig-Produkten liegt ein weiter Qualitäts-Abstand. Geiz kann die Gesundheit kosten.

Das Aldi-Prinzip ist gut und schön – sobald es um die Sicherheit geht, sollte man lieber Abstand davon nehmen. Mit anderen Worten: Um bei einem kompletten Reifensatz vielleicht 150 Euro zu sparen, sollte man nicht einen fünf Meter längeren Bremsweg in Kauf nehmen. Doch darauf läuft der Kompromiss bei vielen namenlosen Produkten leider hinaus.

Preisunterschiede sind oft nicht der Rede wert

Das fand auch der ADAC gemeinsam mit der Stiftung Warentest in seinem aktuellen Winterreifen-Vergleich heraus: Die Preisunterschiede zwischen Markenprodukten wie Continental, Dunlop, Goodyear oder Hankook auf der einen Seite und billigen Erzeugnissen, die zumeist von asiatischen Herstellern stammen, auf der anderen Seite sind zumeist so geringfügig, dass der Geiz-Griff eigentlich keinen Sinn ergibt. Reifen, die beim ADAC-Test die Note „Besonders empfehlenswert“ erhielten, sind bereits zum Stückpreis von 46 Euro im Polo-Format bzw. 70 Euro im Golf-Format erhältlich.

Winterreifen schwimmen früher auf als Sommerreifen

Nicht allein der Grip bei Schnee und Eis spielt eine Rolle: Winterreifen müssen wahre Alleskönner sein – auf trockener ebenso wie überfluteter Fahrbahn dürfen sie nicht aus der Bahn geraten. Diese Anforderungen führen zwangsläufig zu Kompromissen: Die meisten Winter-Spezialisten sind auf nasser Fahrbahn nicht so resistent gegen Aquaplaning wie ihre Pendants für die warme Jahreszeit. Hier wirkt sich das weiche Material, aus dem sie gefertigt sind, nachteilig aus: Die Verformung bei Verzögerung ist stärker, das Profil verengt sich und kann dann nicht mehr so viel Regenwasser wegschaufeln – der Reifen schwimmt früher auf.

Minimale Spritersparnis durch geringeren Rollwiderstand

Der Rollwiderstand wird ebenfalls verringert – das führt zu einer geringfügigen Spritersparnis; im Extremfall bis zu fünf Prozent. Das Phänomen der Verformung verlängert übrigens auch den Bremsweg. Man sollte sich also nicht zu sehr in Sicherheit wiegen: Auch mit den besten Winterreifen bleibt Autofahren bei widriger Witterung stets etwas riskanter.

Straßenverkehrsordnung verlangt „geeignete Bereifung“

Apropos riskant: 2006 hat der Gesetzgeber sich dazu durchgerungen, Autofahrer auf notwendige Winterausrüstung hinzuweisen. Mehr aber auch nicht – wörtlich heißt es in dem neuen Gesetz: „Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung den Wetterverhältnissen anzupassen. Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwischanlage.“ (§2 Abs. 3a StVO) Soweit, so gut. Aber was nun geeignete Bereifung ist, überlässt der Staat dem Zufall der Witterungseinflüsse. Nach wie vor können Autofahrer also im Winter mit Sommerreifen um die Häuser ziehen, ohne eine Strafe zu riskieren.

Im schlimmsten Fall droht ein Punkt in Flensburg

Erst wenn sie damit bei den benannten „winterlichen Verhältnissen“ erwischt werden, kann eine Geldbuße von 20 Euro, bei Verkehrsbehinderung (zum Beispiel mit durchdrehenden Reifen am Berg die Straße blockierend) 40 Euro erhoben werden. Das ist alles andere als drakonisch. Im Fall eines selbst verschuldeten Unfalls besteht immerhin die Möglichkeit, dem Winterreifen-Muffel einen Flensburger Punkt aufzubrummen.

Sicher ist nur ein Winterreifen mit der „Schneeflocke“

Übrigens genügt der Polizei die – eigentlich unerhebliche – „M&S“-Kennzeichnung als Nachweis der Wintertauglichkeit. Doch sicher ist allein die bereits erwähnte „Schneeflocke“ – ein solcher Reifen wurde nach internationalen Standards geprüft. Ist ein Auto mit Sommerreifen in einen Unfall verwickelt, kann die Teilschuld des Halters „zur Strafe“ bis auf 20 Prozent erhöht werden, sofern die Bereifung auf den Unfallhergang irgendeinen Einfluss hatte. Grundsätzlich muss die Haftpflicht aber zahlen. Die Kaskoversicherung kann schlimmstenfalls aufgrund „grober Fahrlässigkeit“ die Haftung verweigern.