Realität gewordene Träume

Sie sind der Traum jedes Fans und jedes Designers – Sportwagen, die auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung allein durch ihr Aussehen ungezügelte Begeisterung wecken. Über Geschmack kann man lange streiten – aber wohl kaum darüber, dass diese Sportwagen zu den schönsten aller Zeiten zählen.

Atemberaubend im Auftritt, unschlagbar auf der Rennstrecke – der Ferrari 250 GTO, die Wettbewerbsversion des 250 GT, lässt bis heute Herzen schneller schlagen. Die lange Motorhaube mit der kraftvollen „Beule“ für die Vergaserbatterie, die Kühlluftauslässe in den vorderen Kotflügeln, die bis heute imitiert werden, das Fließheck, das in einer scharfen Abrisskante endet, die breiten Speichenräder – Details zum Verlieben. Von den nur 39 produzierten Sportwagen (1962–1964) gehören die noch erhaltenen Exemplare zu den wertvollsten Fahrzeugen überhaupt. Der Marktwert beträgt mindestens 14 Millionen Euro.

 

Von Ferrari zu Bizzarini

Doch nicht nur Ferrari baute italienische Traumwagen, die Firma stand auch unfreiwillig Pate für alternative Angebote. Die Legende will es, dass Traktorproduzent Ferruccio Lamborghini sich als Kunde von Enzo Ferrari schlecht behandelt fühlte. Darum baute er eigene Supersportwagen. Den Durchbruch schaffte die Marke mit dem Lamborghini Miura.

Der erste Seriensportwagen mit Mittelmotor, extrem flach und mit den typischen Wimpern um die Scheinwerfer, verschob die klassischen Sportwagen-Proportionen Richtung Heck und so wurde zum Vorbild für eine ganze Generation von Sportlern mit dem Motor hinter dem Fahrer. Der Miura wurde in verschiedenen Versionen von 1966 bis 1975 insgesamt 757-mal produziert.

Ganz ähnlich war der Fall bei Giotto Bizzarrini. Der Ingenieur entwickelte den Ferrari GTO und schied im Streit mit Enzo. Danach konstruierte er für Iso Rivolta und Lamborghini. 1966 präsentierte er seinen eigenen Wagen: Der Bizzarrini Strada 5300 GT ist einer der unbekanntesten und schönsten Supersportwagen. Mit der kuppelartigen Frontscheibe, dem langgezogenen Schwung der breiten Gürtellinie, die sich als sanfte Welle über die ganze Fahrzeuglänge zieht, flach und breit, ist der Strada eine perfekte Synthese typischer Stilelemente der 60er-Jahre. Rund 150 Exemplare wurden gebaut.

Wer ist der schönste Alfa Romeo im ganzen Land?

Sich für den schönsten Alfa Romeo zu entscheiden, gelingt auch nach nächtelangen Diskussionen nicht. Weil es aber dennoch sein muss, zeigen wir hier aus der Vielzahl wunderschöner Sportwagen der Marke den Alfa Romeo Giulietta Sprint des Jahres 1954. Meisterdesigner Nuccio Bertone gestaltete das Coupé mit straffen Linien, die in den angedeuteten Heckflossen endeten. Mit ihm stieg Alfa Romeo in größere Stückzahlen ein – davor fertigten die Mailänder nur Kleinserien.

Highlights aus Deutschland

Doch nicht nur Italien ist die Heimat traumhafter Sportwagen. Wenn es eine Auto-Ikone Deutschlands gibt, dann ist es der Flügeltürer von Mercedes. Dabei gab es den Mercedes 300 SL nur drei Jahre lang: 1954 lief die Produktion des Coupés an und schon 1957 nach nur 1400 Stück aus. Gestartet war das Modell zunächst als reinrassiger Rennsportwagen, es gewann 1952 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans mit einem Doppelsieg. Auf Wunsch des US-Importeurs wurde die Serienversion gebaut und eine Legende geboren – heute selten unter einer Million Euro zu bekommen. Besonders wenn die Türen geöffnet sind, im englischen „Gullwings“ (Möwenschwingen) genannt, macht der SL eine unvergleichliche Figur.

Noch ein wenig weiter zurück im automobilen Geschichtsbuch muss man blättern, um auf einen ganz besonderen BMW zu stoßen. Kaum ein anderes Auto hat das Bild der Marke und das Bild vom Sportwagen schlechthin so geprägt wie der BMW 328 Roadster. Die lang gezogene Motorhaube, gesichert durch schwere Ledergurte, die elegante Linienführung und der Verzicht auf alles Unnötige machten ihn zum Inbegriff des Sportwagens. Die Serienvariante wurde ab 1937 gebaut, bis 1940 entstanden 464 Exemplare.

Die Technik aber lebte länger – Veritas-Rennwagen und britische Bristol-Wagen nutzten den Zwei-Liter-Sechszylinder noch lange nach dem Krieg. Da war ein anderer Stern am Sportwagen-Himmel bereits am steigen: Das Entwicklungsprojekt Porsche 356 war das erste Auto, das den Namen des Konstrukteurs trug. Entstanden auf der Basis des VW Käfers, wurde der rundliche Sportwagen zum Stammvater aller Porsche: Bis heute tragen die Sportwagen des Hersteller einen Boxermotor im Heck und die grundsätzlichen Stilelemente des 356: Deutlich ausgeprägte vordere Kotflügel, weit nach vorn versetzte Frontscheibe, Fließheck.

Das schönste Auto aller Zeiten?

Zum Schluss noch ein kurzer Blick übers Wasser – zunächst über den Ärmelkanal: Gibt es ein schöneres Auto als den Jaguar E-Type? Vorgestellt 1961 und gebaut bis 1975, eroberte er die Herzen mit seiner überlangen Schnauze und den runden Formen mit dem zarten Hüftschwung über den Hinterrädern im Sturm. Die Leser der englischen Zeitung Daily Telegraph wählten ihn kürzlich zum „schönsten Auto aller Zeiten“.

Aber auch jenseits des Atlantiks gibt es was zu sehen: Seit 55 Jahren zeigt Chevrolet mit der Corvette der Welt, dass auch Amerika anspruchsvolle Sportwagen bauen kann. Nach ganz eigenem Rezept: Kastenrahmen, Kunststoffkarosserie, V8-Motor, leicht, schnell und preiswert. Insgesamt wurden bisher über 1,5 Millionen Exemplare produziert – die Chevrolet Corvette Split Window von 1963 mit der geteilten Heckscheibe gilt unter Sammlern als die schönste: Die ums ganze Auto laufende scharfe Gürtellinienkante, die ebenso scharf akzentuierten Ausbuchtungen über den Rädern, die Schlafaugen und die bis in die Seiten herumgezogenen Heckfenster machen die Corvette zum exakten stilistischen Gegenteil des E-Types – und damit umso reizvoller.