Sparen hoch zwei

Viele Hersteller bieten spritspar-optimierte Modelle an. Allerdings kosten sie auch etwas mehr.


Angefangen hat Volkswagen mit dem Label BlueMotion. Vor drei Jahren ließ man ein Rudel Ingenieure auf den Golf 1.9 TDI (Turbodiesel) los, die Projektbeschreibung war knapp: Optimiert ihn! Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Sein an sich schon bescheidener Konsum von 5,1 Litern Diesel nach Norm wurde auf 4,5 Liter heruntergeschraubt.

Der Leistung tut das keinen Abbruch, auch das BlueMotion-Mobil mobilisiert aus seinem 1,9 Liter großen Dieselmotor 105 PS und beschleunigt bis auf 190 km/h. Kurz darauf beschloss die Unternehmensführung, für jede Volkswagenklasse ein ähnlich optimiertes Modell anzubieten.

Die Rezepte für die Spritsparmodelle ähneln sich

Andere Hersteller folgten und überboten sich in futuristischen Wortschöpfungen: So bietet Opel die Marke Ecoflex, bei Ford heißen die Fastenwanderer Econetic, bei Mercedes werden sie BlueEfficiency genannt, Peugeot bietet das Label Blue Lion an, Seat nennt es Ecomotive, Skoda wirbt unter der Marke Greenline. Das Rezept dahinter ist zumeist dieselbe: Man nehme das Grundmodell mit einem kleinen Dieselmotor – und mache sich gehörig daran zu schaffen.

Anhand des neuen Volkswagen Polo BlueMotion zeigt sich, wo die Ingenieure noch ein paar Hundertstel Liter herauswringen: Der neue Sparkönig wird 2010 auf den Markt kommen und lediglich 3,3 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen.

Der optimierte Polo

Der BlueMotion-Polo wird einen neuen 1,2 Liter großen Turbodieselmotor mit 75 PS erhalten, der den Verbrauch bereits auf unter fünf Liter senkt. Dem Dreizylinder werden optimierte Spritkanäle verpasst, und die Leerlaufdrehzahl wird niedriger eingestellt. Macht weitere 0,1 Liter auf 100 Kilometer. Die Getriebeübersetzung vom fünften bis zum dritten Gang wird verändert, so dass niedrigere Drehzahlen erreicht werden. Wieder 0,2 bis 0,5 Liter.

Außerdem erhält der Antrieb eine Start-Stopp-Automatik – damit schaltet sich automatisch der Motor aus, wenn man vor Ampeln, im Stau oder vor Bahnübergängen anhält. Nimmt man den Fuß von der Bremse, springt die Maschine ebenso automatisch wieder an. Beim Verzögern wird – gleichfalls von Geisterhand – eine zusätzliche Lichtmaschine aktiviert, die Bremsenergie in elektrischen Strom umwandelt und an die Batterie zurückgibt. Das entlastet den Antrieb beim Beschleunigen. Diese beiden Maßnahmen bringen weitere 0,2 Liter.

Auch die Karosserie wird gründlich überarbeitet

Doch ein As haben die Diätwächter noch im Ärmel: die Karosserie. Der neue Polo BlueMotion wird um 10 Millimeter tiefer gelegt, das reduziert den Windwiderstand. Die Kühlerblende wird geschlossen, der Unterboden wird mit aerodynamischen Kunststoffblenden verkleidet, ein spezieller Heckspoiler reduziert Verwirbelungen am Rückfenster. Bringt noch einmal um die 0,1 Liter.

Abgerundet wird das Paket mit Leichtlaufreifen auf Leichtmetallfelgen. Sensoren überwachen den Reifendruck und melden zu niedrige Füllung ins Cockpit. Außerdem zieht eine neue Anzeige im Tachoinstrument ein: Eine Hochschalt-Empfehlung weist den Fahrer darauf hin, welchen Gang er einlegen muss, damit der Verbrauch optimal niedrig liegt.

Die Sparmaßnahmen haben ihren Preis

Diese raffinierte Spezialkur lässt Volkswagen sich allerdings etwas kosten – der Preis für den neuen Spar-Polo ist zwar noch nicht kalkuliert, wird aber wahrscheinlich einige tausend Euro über dem Grundmodell für 12.150 Euro liegen. Nicht wesentlich anders ist es zum Beispiel beim Kleinwagen Opel Corsa Ecoflex (1,3 Diesel, 4,1 Liter auf 100 Kilometer, 13.950 Euro) oder beim Ford Fiesta Econetic (1,6 Liter Diesel, 3,7 Liter auf 100 Kilometer, 15.000 Euro). Und dieser Aufpreis will erst einmal wieder eingespart werden: Beim Polo sind es – grob kalkuliert – rund 120.000 Kilometer, bis der Aufpreis sich amortisiert hat.

Sind die Angebote der Hersteller also bloße Lippenbekenntnisse, um das Potenzial umweltbewusster und zugleich wohlhabender Kunden abzuschöpfen? Ja und nein – wer viel fährt, für den lohnt sich die Anschaffung. Ansonsten bleibt zu hoffen, dass die Spritspar-Optimierungen in naher Zukunft allen Serienmodellen zuteil werden.