Zeitmaschine aus Stuttgart

Die Zukunft gehört der Sicherheit: Das Auto von morgen verhindert aktiv den Unfall oder mildert die Schäden zumindest nach Kräften.

Sicherheitszelle, ABS, Airbag – Mercedes hat diese und viele weitere Sicherheits-Innovationen im Auto hoffähig gemacht. Anfangs noch als teurer Sonder-Accessoires für Luxus-Limousinen, später als Serienausstattung in der Mittelklasse. Die gesamte Branche profitiert von den Ambitionen des ältesten Autoherstellers, und mit ihr jeder Autofahrer.

Ein Beispiel: Als erstes Auto der Welt war die S-Klasse 1972 mit elektronischem ABS erhältlich – seit 2004 wird jeder Neuwagen in Europa mit dem Blockierverhinderer ausgestattet. Jetzt hat Mercedes einmal mehr Akzente gesetzt: Mit dem Experimental-Sicherheits-Fahrzeug (ESF), das kürzlich der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Es handelt sich dabei um eine S-Klasse aktueller Bauart, den S 400 Hybrid. Doch der Antrieb aus zwei Herzen, einem großen Benzin- und einem kleinen Elektromotor, wirkt geradezu altmodisch im Vergleich zu den Sicherheits-Systemen im Verborgenen.

Zusätzliche Knautschzone in den Türen

Besonders faszinierend ist der Pre-Safe Structure genannte aktive Flankenschutz: In den Türen verbergen sich hohle Metallkörper, die blitzschnell von einem Gasgenerator aufgepumpt werden können. Wie Luftmatratzen dämpfen diese prallen Strukturen dann bei einer Seitenkollision als zusätzliche Knautschzone den Aufprall. Zugleich werden Luftkammern in den Sitzen aufgeblasen, die Fahrzeuginsassen um bis zu fünf Zentimeter in Richtung Innenraum schieben und so die Verletzungsgefahr reduzieren. Der kleine Schubs bewegt den Autofahrer in genau die Richtung, in die ihn Bruchteile von Sekunden später die Kollision selbst befördert. Damit reduziert sich die auf den Insassen wirkende Belastung der Halswirbelsäule.

Luftgefüllter Beutel hebt das Fahrzeug an

Ebenso unsichtbar wie die Metall-Airbags in den Türen ist der Braking Bag, im Prinzip ein aufblasbarer Luftsack unter der Fahrzeugfront. Registriert die Elektronik – mit Hilfe des Abstandsradars – einen drohenden Frontaufprall, wird der Beutel unverzüglich aufgepumpt. Das hat zwei Effekte: Der Braking Bag übt nun Haftreibung auf die Straße aus und bremst damit zusätzlich das Fahrzeug. Überdies hebt die Vorrichtung den Wagen um bis zu acht Zentimeter an, um beim Aufprall zu verhindern, dass er unter dem anderen Fahrzeug hindurchtaucht. Damit werden auch konventionelle Rückhaltesysteme wie Gurtstraffer optimiert.

Der Punktstrahler leuchtet Objekte kurz an

Fernlichtassistenten gibt es inzwischen in einigen Oberklasse-Modellen. Das ESF hat die Weiterentwicklung dieses elektronischen Helfers an Bord: Das adaptive Teil-Fernlicht ist aus 100 einzelnen Hochleistungs-LED zusammengesetzt. Sie können verschiedene Einzelobjekte, zum Beispiel Radfahrer, oder Straßenbereiche gezielt beleuchten. Kommt Gegenverkehr hinter einer Kurve hervor, werden die Scheinwerfer automatisch gedimmt, damit niemand geblendet wird. Zugleich warnt das System den Fahrer selbsttätig durch eine Punktstrahler-Funktion: So werden Objekte auf der Fahrbahn kurz angestrahlt, um darauf die potenzielle Gefahr hinzuweisen.

Autos, die miteinander sprechen

In naher Zukunft werden Unfälle so verhindert, dass es Autofahrer nicht merken – denn die Autos werden selbst miteinander in Verbindung stehen und gefährliche Annäherungen aktiv und frühzeitig vermeiden. Was wie Science-Fiction klingt, hat bereits einen Namen: Car2Car-Kommunikation. Über GPS sind Bestimmung und Abgleich der eigenen Position jederzeit möglich, diese Daten werden per WLAN mit den benachbarten Fahrzeugen ausgetauscht. Über Car2Car-Kommunikation verbundene Autos warnen einander vor Gefahrenstellen, informieren über Staus, Baustellen und Glatteis sowie mögliche Umgehungen. Naht ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht, wird diese Information schon an den Fahrer weitergegeben, noch bevor der Rettungswagen am Horizont aufgetaucht ist.