Neue Wagen wagen

Mit Kreativität aus der Krise: Viele Autohersteller forschen schon an den Autos der Zukunft. Andere sorgen dafür, dass der Weg dahin nicht zu teuer wird.

Die Autobranche steht förmlich unter Strom: Seit im Frühjahr 2008 die Treibstoffpreise schlagartig anstiegen, sind Elektroautos wieder ein Thema, über das gesprochen werden darf. Zwar gibt es batteriebetrieben Autos seit über 100 Jahren, doch erst mit dem Leichtbau der Gegenwart könnte es gelingen, sie wirtschaftlich fahren zu lassen. Im nächsten Jahr wird das ganz konkret, wenn Mitsubishi ein Elektroauto mit dem unaussprechlichen Namen i-MiEV (EV steht für „Electric Vehicle“) zum Händler bringt. Einen gewichtigen Interessenten hat man bereits gewonnen: den französischen Hersteller Peugeot. Er wird als „iOn“ ebenfalls ab 2010 in Lizenz gebaut und ist bereits von einigen europäischen Mietwagenfirmen bestellt.

Das E-Auto ist einen halben Meter kürzer als der Polo

Im Gegensatz zu Elektroauto-Pionieren hat der iOn bzw. i-MiEV Platz für vier Personen nebst Gepäck, die er fast 150 Kilometer weit transportieren kann. Dann muss das Fahrzeug für 5-7 Stunden an die Steckdose – per Schnellladung sind auch 80 Prozent der Kapazität in 25 Minuten zurück, doch dafür genügt eine Haussteckdose schon nicht mehr. Tröstlich zu wissen, dass der E-Wagen mit 3,45 Meter Länge beinahe neben den Kühlschrank passt. Damit ist er ist einen halben Meter kürzer als der populärste deutsche Kleinwagen, der VW Polo. Bis zu 130 km/h schnell und mit einem richtigen Kofferraum gesegnet. Die Akkus verstecken sich unter den Füßen der Passagiere. Die Zukunft ist tatsächlich schon da – straßentauglich und teuer: Knapp 34.000 Euro soll der i-MiEV kosten, ein Kleinwagen kostet heute kaum die Hälfte. Allerdings will Mitsubishi den Preis durch höhere Stückzahlen bis 2012 auf 15.000 Euro drücken. In der Zwischenzeit können wir ja schon mal die Batterien laden…

Ein Wunderwerk, voll gestopft mit komplizierter Technik

Oder in ein Hybrid-Auto einsteigen. Die deutsche Autoindustrie hat sich lange geziert, auch Autos mit doppeltem Motor zu bauen. An Argumenten mangelte es nicht: Komplizierte Technik, hohes Gewicht, letztendlich eine technologische Sackgasse – aber der Siegeszug des Toyota Prius hat dann viele Manager zum Nachdenken gebracht. So kommen nun Fahrzeuge auf den Markt, von denen wir bisher nicht zu träumen wagten.

Eines davon ist der Mercedes ML 450 Hybrid. Wie viele andere SUV ist auch der ML vordringlich für den US-Markt konzipiert – und der Versuch, das 2,3 Tonnen schwere Schlachtschiff wirtschaftlicher zu machen, wird ebenfalls von rigiden Verbrauchsvorschriften aus Übersee diktiert. Mit dem ML 450 Hybrid hat Mercedes nun sein erstes Hybridauto gebaut. Es ist ein Wunderwerk, bis unters Dach vollgestopft mit komplizierter Technik. Genau genommen hat der ML 450 Hybrid nicht zwei, sondern sogar drei Motoren: Einen V6 mit 279 PS aus 3,5 Litern Hubraum, ein Elektromotor mit 85 PS sowie noch eine elektrische Anfahrhilfe mit 82 PS.

Das Hybrid-SUV verbraucht so viel wie ein Kompaktauto

Der Hybridantrieb beschert dem Giganten noch einmal 230 Kilogramm Mehrgewicht, womit man bei der grundsätzlichen Frage wäre: Umweltschutz und Treibstoffsparen mit Hilfe einer Gewichtszunahme, klingt das nicht etwas widersinnig? Auf der anderen Seite stehen die Leistungsdaten: In 8,2 Sekunden auf 100 km/h, eine Endgeschwindigkeit von 210 km/h und ein Normverbrauch von nur knapp acht Liter auf 100 Kilometer – das macht einem Kompaktauto alle Ehre.

Noch mehr spart nur ein Diesel-Hybrid. Bisher hat sich kein Pkw-Hersteller an diese Kombination herangetraut. Nur der PSA-Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën entwickelte – in aller Stille – eine Kombination aus Diesel- und Elektromotor. Ein zwei Liter großer, 163 PS starker PSA-Dieselmotor an der Vorderachse, an sich schon genügsam, kommt durch einen 37 PS starken Elektromotor an der Hinterachse auf einen Durchschnittsverbrauch von unter 4,5 Litern. Erstmals wird die exotische Combo im Frühjahr 2011 im Peugeot-Van 3008 musizieren.

Ein SUV muss kein Geländewagen mehr sein, sondern nur so aussehen

Auch für diese gewiss bewundernswerte Technik zahlt der Kunde allerdings einen höheren Kaufpreis, der erst durch Spar-Fahrt wieder mühsam hereingeholt werden muss. Da erscheint es doch logischer, direkt durch den Kaufpreis zu sparen. Wer das radikal tun will, schaut sich bei Dacia um: Der rumänische Hersteller, ein Tochterbetrieb von Renault, ist schon seit Jahren der sprichwörtliche Billig-Bauer.

Mit dem Sandero Stepway zieht Dacia einen neuen Trumpf aus dem Ärmel, dem aktuellen Trend im SUV-Segment folgend: Ein SUV muss kein Geländewagen mehr sein, sondern nur so aussehen als ob… Der Stepway sieht flott und ein wenig verwegen aus, hat im Gelände nichts zu suchen, bietet dafür aber Platz für eine kleine Familie und kostet mit 87 PS starkem Benziner nur knapp 10.000 Euro. Mit sparsamem Turbodiesel, der 68 PS leistet, kostet das Kompakt-Auto im SUV-Kostüm 11.290 Euro. Da bleibt viel Geld übrig – um für die nächste Tankrechnung oder gleich für ein Elektroauto zu sparen…