Darf es etwas mehr Auto sein?

Platz für die ganze Familie: Opel lässt seinen Bestseller Astra gehörig wachsen. Auch die neuen Kombis bieten mehr Raum als die Vorgänger-Generationen.

Wenn es eng wird, macht auch Sparen keinen Spaß mehr: Manche Menschen müssen eben mehr als nur Waldi oder eine Bierkiste von A nach B bringen. Dann bleibt nur der Aufstieg in eine größere Klasse. Hier kann man zwischen mehreren neuen Raum-Schiffen wählen, die dank moderner Motoren sogar relativ wenig verbrauchen. Ganz frisch am Start: Der neue Opel Astra. Der klassische Kompakte kostet ab 15.900 Euro, in der Basisversion treibt ihn ein 87 PS starker Benziner mit vier Zylindern an, der nach Norm nur 5,5 Liter auf 100 Kilometer schlucken soll. 

Spar-Astra verbraucht 4,2 Liter Diesel

Im Vergleich zum Musterschüler Golf, der seit Jahrzehnten die Verkaufs-Rangliste anführt und erst im Herbst 2008 auf den Markt kam, scheint der neue Volks-Opel die Nase sprichwörtlich vorn zu haben: Er ist insgesamt ganze 22 Zentimeter länger und kommt auf einen elf Zentimeter längeren Radstand. Sein Pendant, der Golf in Grundausstattung mit 1,4 Liter großem Benziner, 80 PS stark, kostet ab 16.500 Euro.

Der Verbrauch liegt mit 6,4 Liter auf 100 Kilometer nach Norm deutlich höher. Wer viel fährt, interessiert sich für die jeweiligen Sparausführungen: Volkswagen hat kürzlich den Knauser-Künstler Golf BlueMotion mit 105 PS herausgebracht, der 3,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbraucht, mit 21.650 Euro aber auch einiges mehr kostet. Das Pendant von Opel, der Astra CDTI Ecoflex mit 95 PS, soll nur 4,2 Liter verbrauchen und kostet ab 19.390 Euro.

Skoda Superb: mehr Platz als im Passat

Manchmal darf es aber auch ein wenig mehr sein: Nicht Verbrauch, sondern Platz. Dafür wurde der Kombi erfunden, dessen Nutzen über den eines reinen Transportmittels inzwischen weit hinausgeht. Für solche Image-Träger hat sich der Begriff Lifestyle-Kombi eingebürgert, und der passt auch ziemlich gut auf zwei neue Modelle: Skoda bietet seine Oberklasse-Limousine Superb, die im internationalen Vergleich allerdings eine Mittelklasse ist, nach einigem Zögern nun auch als Kombi an, und das Ergebnis ist auf Anhieb überzeugend.

Der Superb Combi baut auf VW-Technik auf, bietet aber zu aller Überraschung mehr (Platz) für weniger (Geld): Bei umgeklappter Rückbank fasst er mit 1865 Liter Volumen einen großen Koffer (130 Liter) mehr als der VW Passat, Maßstab für die Mittelklasse und mit dem Superb über die Plattform blutsverwandt. Doch für den billigsten Passat-Kombi zahlt man derzeit ab 24.700 Euro. Der günstigste Tschechen-Kombi kostet entwaffnende 23.950 Euro, dann fährt er mit einem 125 PS starken, 1,4 Liter großen Benziner, den ein Turbolader beflügelt. Der Verbrauch soll bei 6,9 Liter auf 100 Kilometer liegen. Weniger schluckt der 170 PS starke Zwei-Liter-TDI, der mit knapp sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrauchen soll und ab 28.250 Euro kostet.

Seat Exeo ST: A4 Avant auf spanisch

Einen noch tieferen Griff in die VW-Trickkiste hat die spanische Tochter Seat unternommen: Dort hat man ebenfalls einen Mittelklasse-Kombi aus dem Sombrero gezaubert: Seat Exeo ST heißt er und ist de facto ein Audi A4 Avant älterer Generation. Wie das Wunder sich ereignete? In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat der Volkswagen-Konzern die gesamte Fertigung von Ingolstadt nach Martorell in Spanien geschafft. Das Fahrzeug wurde äußerlich auf Seat getrimmt, ist um acht Zentimeter gewachsen und kostet jetzt in der Basisausführung mit 1,6 Liter großem, 102 PS starkem Benziner ab 23.390 Euro. Den Verbrauch gibt Seat mit 7,7 Liter auf 100 Kilometer an. Wer den kleinsten Dieselmotor bevorzugt, bezahlt für einen Zwei-Liter-TDI mit 120 PS ab 26.890 Euro, er verbraucht laut Hersteller 5,7 Liter je 100 Kilometer. Das kommt uns in der Tat spanisch vor: Da Südländer bekanntermaßen nicht viel von Kombis halten, dürfte die Strategie von Seat auf den gesamteuropäischen Markt abzielen. Der ausgesprochene Kampfreis kann da manches Türchen öffnen…