Zurück in die Zukunft

Traum oder Alptraum? Oft wird erst im Rückblick deutlich, ob ein Konzeptauto den Weg in die Zukunft wies – oder in eine Sackgasse führte. Ein Rückblick auf Studien der vergangenen 20 Jahre – und was aus ihnen wurde.


Konzeptautos sind die Spielwiese von Designern und Ingenieuren. Hier können sie, ohne Rücksicht auf Kosten und Machbarkeit, ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Dabei geht es darum, Zukunftsweisendes zu entwickeln, Publikum und Mitstreiter zu beeindrucken und den Geschmack der Kunden zu testen. Leider schießen die Kreativen dabei gerne mal übers Ziel hinaus. Oder sie bewegen sich in Marktregionen, die von der jeweiligen Marke nicht zu erreichen sind.

Die Modelle in der Bildergalerie:

Limousinen und Luxusschlitten

Zum Beispiel mit repräsentativen Limousinen der Oberklasse. 1995 präsentierte Renault den Initiale – einen 300 km/h schnellen Luxusschlitten. Manches Detail fand sich später beim Vel Satis wieder – aber auch der wurde ein Flop. Opel wollte 2003 neues Selbstbewusstsein demonstrieren und präsentierte den Insignia Concept als Enkel des Kapitäns – eine Oberklasse-Limousine mit vielen innovativen Details. GM sagte nein, doch immerhin: Manches Design-Detail und der Name fanden den Weg in die Serie. Näher dran war Volkswagen 1999 mit dem Concept D – er schaffte es als Phaeton in die Serie. Allerdings mit Stufenheck, nicht dem Schrägheck der Studie – die hatte manchen Beobachter doch zu sehr an den unglücklichen VW 411 aus den 60er-Jahren erinnert.

Legendäre Sportwagen

Den Blick zurück nach vorn richtete Mercedes 1991 mit der Sportwagen-Studie C112. Die bärenstarke Flunder hatte wie der legendäre 300 SL von 1954 Flügeltüren. Es sollte aber noch weitere 18 Jahre dauern, bis die Flügeltüren endlich ihr Serien-Comeback feiern durften: In diesem Jahr ist es mit dem AMG-Mercedes SLS endlich so weit.

Natürlich stürzen sich die Kreativen immer wieder auf Sportwagen – doch häufig scheitern die Projekte. Das gilt für den Peugeot 907 (2005), einem Supersportwagen im Stil des Ferrari Daytona, ebenso wie für den Lancia Fulvia (2003). Diese Retro-Studie, die sich auf das Original von 1965 bezog, begeisterte manche Betrachter so sehr, dass sie einen Blankoscheck deponierten – gebaut wurde er dennoch nicht.

Dieses Schicksal droht auch den verschiedenen Roadster-Studien, die VW immer wieder zeigt – beispielsweise den Concept R von 2003. So erging es auch dem ein Jahr später präsentierten Offroad-Sportler Volkswagen Concept T. Dieser Entwurf war noch aus einem anderen Grund pikant: Ähnelte er doch sehr einer Peugeot-Studie aus dem Jahr 1996. Der Name: Touareg.

BMW schaut in die Zukunft

BMW versuchte sich regelmäßig an Studien mit extrem hohem technischen Anspruch. Zum Beispiel der Kleinwagen Z11 von 1991, der als Z13 weiter entwickelt wurde und als Elektrofahrzeug E1 wieder erstand, aber nie in Nähe der Serie gelangte. Der Z22 von 2001 versprach eine Drive-by-Wire-Zukunft, die bis heute und auf absehbare Zeit noch auf sich warten lässt.

Die Modelle in der Bildergalerie:

Opel begeistert mit Kleinwagen-Studien

Auch Opel präsentierte im Laufe der Zeit eine Reihe kreativer Ideen, die nicht umgesetzt wurden. Immer wieder begeisterten die Rüsselsheimer mit wegweisenden Kleinwagen-Studien (Junior – 1983, Maxx – 1995, Trixx – 2004) Fachwelt und Publikum. Gebaut wurden die Autos aber nie. Ebenso wenig wie der Frogster aus dem Jahr 2001 – aber der war dafür auch nicht vorgesehen. Genauso wenig wie die eher abgedrehten dreirädrigen Sportler, die immer mal wieder durch die Ausstellungshallen geistern. Beispiele sind Mercedes F300 Life-Jet (1997) oder Peugeot 20Cup (2005).

Fantastische Entwürfe

Noch außergewöhnlicher sind Einfälle radikal anderer Mobilität, beispielsweise beim Peugeot Moovie stehen soll. Beim Moovie handelt es sich um eine 2,33 Meter lange und 1,54 Meter hohe Studie eines zweisitzigen Stadtautos mit innovativen Detaillösungen. Der Entwurf stammt vom portugiesischen Industriedesign-Studenten André Costa und wurde auf der IAA 2005 erstmals in Originalgröße gezeigt.

Mit der Realität haben solche Entwürfe nichts zu tun – aber sie sind das Salz in der Suppe jeder Autoshow. Auch dieses Jahr wieder – auf der IAA 2009.