Im Strom der Zeit

Genf ist im Elektro-Hype: In aktuellen Hybridmodellen schieben die kleinen Strom-Helfer mit, bei einigen Neuheiten übernehmen sie auch schon den ganzen Job.


Was der Luftdruck für Meteorologen, ist der Benzinpreis für Öko-Autos: Sein aktueller Stand verrät viel über die Akzeptanz neuer Antriebstechnologien, die lange Jahre von vielen Branchenkennern nicht ernst genommen wurden. Derzeit fällt der Spritpreis zwar wieder, doch die alternative Mobilität ist da und hat sich bereits einen festen Platz in der öffentlichen Aufmerksamkeit erobert, die über den Unterhaltungswert kurioser Exoten längst hinaus ist. Allen voran Toyota mit seinem Hybrid-Pkw Prius, der auf dem Genfer Salon in 3. Generation vorgestellt wird.

Die Modelle in der Fotostrecke:

Äußerlich hat sich dabei wenig geändert – das Design des Prius wird natürlich vom Windkanal diktiert, da bleibt nicht viel Platz für schicke Linien. Unter der Haube und im Fahrzeugboden hingegen haben die Japaner eine kleine Revolution gemacht: Der Großvater Prius I, seit 1997 auf dem Markt, war ein schwächlicher Benziner, den ein mickriger Elektromotor unterstützte, weiterhin halfen eine Start-Stopp-Automatik und regenerative Bremsen etwas beim Sparen. Der Enkel hingegen ist beinahe schon ein Elektroauto. Er soll nach Angaben von Toyota weniger als vier Liter Super auf 100 Kilometer verbrauchen, obwohl statt eines 1,5- nun ein 1,8-Liter-Verbrennungsmotor mit 134 PS die Hauptarbeit übernimmt. Der Vorgänger leistete nur 113 PS, schluckte aber fast einen halben Liter mehr. Der Prius III wird ab Juni 2009 in Deutschland auf den Markt kommen.

Herausforderer des Prius: Honda Insight

Der Herausforderer des Hybrid-Originals kommt ebenfalls aus Japan: Der Honda Insight sieht dem Prius nicht nur ähnlich, er soll ihn ersetzen – das signalisiert allein schon der günstige Preis, zu dem Honda seinen Viersitzer unter die Leute bringen will: Die Basisversion kostet 19.550 Euro und damit ein gutes Viertel weniger als der Prius. Der neue Insight wird von einem 1,3 Liter großen Benzinmotor mit 88 PS angetrieben, den ein 14 PS starker Elektromotor unterstützt. Das reicht für 180 km/h spitze, der Verbrauch nach Euro-Norm soll bei 4,6 Litern Superbenzin liegen. Im April 2009 wird das Auto mit den zwei Herzen bei deutschen Honda-Händlern stehen.

Zukunftsmusik: Opel Ampera

An den Ständen anderer Hersteller ist man noch nicht so weit, hier wird vor allem Zukunftsmusik gespielt. Etwa bei Opel, wo der Ampera als Studie der Welt erstmals vorgestellt wird. 2011 wird er beim Händler stehen. Das viersitzige Strom-Mobil sieht aus wie eine Flunder. Sein Elektromotor schafft mit 150 PS nahezu geräusch- und hoffentlich problemlos 161 km/h. Den Saft zieht er aus Akkus unterm Wagenboden, und die reichen etwa 60 Kilometer weit – nicht viel, aber ausreichend für die meisten Pendler, glaubt Opel. Wer tagsüber doch noch einen Außentermin wahrnehmen muss, schaltet den an Bord eingebauten Mini-Benzinmotor ein. Der lädt die Batterien parallel während der Fahrt wieder auf, so dass die nächste Steckdose erst nach spätestens 500 Kilometern aufgesucht werden muss. Das ist zwar nicht blitzsauber, aber ein annehmbarer Kompromiss.

Elektroantrieb ist keine Bastelei mehr

Den sucht auch Chrysler mit seinem 200C EV, einer artigen Limousine, die nach dem gleichen Prinzip vorankommen soll: Ein Elektromotor treibt die Räder an, ein Verbrennungsmotor mit Generator verlängert durch Wiederaufladen die Reichweite. Beim 200C EV, das EV steht für Electric Vehicle, sind das 644 Kilometer – auf dem Papier, denn noch ist das Strom-Linienauto in der Entwicklung, die erst 2012 in Serie gehen soll. Die angekündigten Fahrleistungen von 272 PS und einer Endgeschwindigkeit von 193 km/h versprechen schon jetzt Fahrkomfort wie in einem konventionellen Auto. Kein Zweifel: Elektroautos sind keine schrägen Bastel-Kisten mehr, zukünftig ist mit ihnen zu rechnen.