Der Winterspeck muss weg

Sparen ist in: Deutsche Autofahrer interessieren sich überwiegend für effiziente Autos. Wie gut, dass in Genf viele echte "Spar-zeuge" stehen.


Das war ein langer Winter – und der Frühling, der jetzt vorm Garagentor steht, hat es in sich: Auf dem Genfer Automobilsalon (5. bis 15. März 2009) blüht so viel Blech, dass es eine Augenweide ist. Traditionell sind hier seit Jahrzehnten die potenzstarken neuen Autoträume mit fülligen Formen und dicken Maschinen zu finden.

Doch in diesem Jahr macht auch die feine europäische Frühjahrsmesse auf Grün: Ein beachtlicher Anteil der neu präsentierten Fahrzeuge ist klein, leicht und dank innovativer Technologie sehr sparsam.

Kein Wunder: Laut einer aktuellen Erhebung sind die Deutschen mehrheitlich auf der Suche nach einem sparsameren Auto. Und sie haben die Wahl: Die Spannweite reicht vom abgespeckten Benzin- oder Dieselmotor im neuen VW Polo über die aktuellen Hybridmodelle von Toyota und Honda mit anzugsstarkem E- und Verbrennungs-Motor bis zu reinen Elektrofahrzeugen von Spezialherstellern, die gerade alltagstauglich werden.

Die Modelle in der Fotostrecke:

Der Polo: So groß wie der Golf II

Um die Alltagstauglichkeit muss sich Volkswagen natürlich keine Gedanken machen: Der neue Polo ist etabliert. Viele denken beim Wort Kleinwagen spontan an den kleinen Golf-Bruder, denn er hat dieses Segment seit 1975 entscheidend geprägt.

Und auch der Polo der 5. Generation ist ein vollwertiges Auto mit vier Sitzen und ordentlichem Kofferraum. Er ist keinen Zentimeter länger als der 3,90 Meter lange Vorgänger – so groß war übrigens der Golf II.

Was besonders neugierig macht an dem großen Kleinwagen: Die neuen Turbomotoren mit wenig Hubraum und noch weniger Verbrauch. Spar-Schlager unter den sieben verfügbaren Motoren sind ein 1,2-TSI-Benziner mit 105 PS sowie ein 1,6-Turbo-Diesel mit 90 PS.

Während der Benziner 5,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll, ist der Selbstzünder im genügsamsten Modell installiert, das als „Blue Motion“ mit der Spar-Marke von VW gekennzeichnet ist – es verfügt zusätzlich über eine strömungsoptimierte Karosserie und die inzwischen weitgehend etablierte Start-Stopp-Automatik. Heißt: Beim Halten, zum Beispiel an einer Ampel oder am Bahnübergang, schaltet sich der Motor selbsttätig ab – sobald man von der Bremse oder aufs Gas geht, springt er automatisch wieder an. Das reduziert den Appetit des Motors zusätzlich, sodass der bescheidenste Polo mit beachtlichen 3,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer auskommen soll. Der neue kleine VW kann ab sofort bestellt werden und wird ab Juli 2009 ausgeliefert.

Turbo hilft Erdgas auf die Sprünge

Günstiger kann man nur noch mit Gas fahren: Zum Beispiel mit den neuen Erdgas-Modellen von Volkswagen und Opel. Der preisgünstige und umweltfreundliche Treibstoff ist seit einem guten Jahrzehnt verfügbar, doch bisher waren Erdgas-Motoren relativ schwerfällig.

Volkswagen und Opel haben jetzt Gasantrieb und Turbolader gekreuzt: Heraus kamen rassige Renner wie der Passat TSI EcoFuel und der Opel-Van Zafira 1.6 CNG Turbo, die sich auf der Autobahn nicht mehr so leicht abhängen lassen. Der Zafira kommt bis auf Tempo 200, der Verbrauch soll weiterhin niedrig sein: 5,3 Kilogramm (entspricht in etwa Litern) auf 100 Kilometer verbrennt die Erdgas-Großraumlimousine.

Auch der Passat bleibt trotz Aufladung (von 0 auf 100 in 9,9 Sekunden) genügsam: Lediglich 4,6 Kilogramm auf 100 Kilometer, meldet der Hersteller. Auf dem Genfer Salon bereichern sie zusammen mit anderen Sparfüchsen den „Grünen Pavillon“, der in Halle 3 mit zahlreichen Öko-Neuheiten vom Umwelt-Sendungsbewusstsein der Hersteller künden soll.

Dazu gehört auch der neue Chevrolet-Kleinwagen Spark. Das heißt "Funke" und soll bei den Kunden zünden. Wie es bei Chevrolet zum besonderen Markzenzeichen geworden ist, wird sicher auch der Spark unter dem Logo „EcoLogic“ serienmäßig mit Flüssiggas-Antrieb verfügbar sein – preisgünstig, weil Flüssiggas bis 2018 sehr niedrig besteuert wird. Dann dürfte der Verbrauch ebenfalls unter vier Liter auf 100 Kilometer liegen. Dazu ist der Spark mit einem kecken Design und kleinen Motoren von 1,0 bis 1,2 Liter Hubraum ausgestattet. Auf den deutschen Markt kommt er allerdings erst 2010.

Der erste Porsche mit Dieselmotor

Dass auch die ganz Großen sparen können und sollen, symbolisiert der Porsche Cayenne TDI. Das Porsche-SUV war ursprünglich nur mit Benzinmotoren ausgestattet, die es zu stolzen Verbrauchszahlen bringen – ein Automagazin ermittelte bei Vollgas in der stärksten Motorisierung sogar einen unglaublichen Appetit von 66 Litern auf 100 Kilometer. Das ist kein schönes Zeugnis; und daher stellt Porsche den Cayenne in Genf nun mit Turbodiesel vor. Vom Audi A5 stammt das V6-Triebwerk, hat 240 PS und soll im größten Porsche immerhin unter zehn Liter schlucken. Genf lehrt uns also: Auch ein Sportwagen kann sparen!