Kein Geld verbrennen

Autokauf

Kein Geld verbrennen

Ein Autokauf ist eine komplexe Sache: Wer nicht aufpasst, hat ruckzuck viel Ärger am Hals und wird Stammgast bei der Reparaturannahme des Autohauses.
Gerade beim Auto gilt: Es ist nicht alles Chrom, was glänzt. Wer beim Autokauf nicht höllisch aufpasst, hat hinterher eventuell wenig Freude mit dem Wagen. Beherzigt man beim Erwerb eines neuen fahrbaren Untersatzes aber ein paar \"goldene Regeln\", lässt sich viel Unbill im Keim Ersticken

Gut Ding will Weile haben

1. Reserven einkalkulieren Ganz wichtig und oft unterschätzt, ist die Tatsache, dass auch nach der Vertragsunterschrift immer noch etwas Geld auf dem Konto liegen sollte. Dass ein Autokauf mit Ausgaben verbunden ist, nichts bahnbrechend Neues. Doch mit der Summe für das Fahrzeug und die Versicherung ist es nichts getan. Bei einer Neu-Erwerbung, vor allem, wenn man das Auto von privat kauft, sollte man immer Rücklagen haben. Die sind wichtig, falls unerwartete Reparaturen nötig sind. Gerade bei Premium- Fahrzeugen nehmen die Werkstätten auch gerne den dementsprechenden Zuschlag. Wer eine gute Freie Werkstatt an der Hand hat, kann natürlich so einige Euros sparen. Allerdings sollte man immer in Betracht ziehen, dass beim Wiederverkauf ein scheckheftgepflegtes Auto immer die besseren Chancen hat, einen guten Preis zu erzielen.

Augen auf!

2. Nichts überstürzen Autokauf ist zumeist mit viel Emotionen verbunden. Dennoch sollte man mit möglichst kühlen Kopf an die Sache herangehen. Ganz wichtig ist, zunächst einmal sich selbst klar zu machen, was es für ein Auto sein soll. Dann sollte man möglichst viel Zeit mitbringen und den Markt gut sondieren. Wer übereilt kauft, kauft meistens zu teuer. Auf Autobörsen wie www.mobile.de oder www.autoscout.de kann man sich bequem per Suchagenten immer wieder die neuesten Angebote per Mail zuschicken lassen. Die Automobilbörsen sollte man gut beobachten und interessante Modelle speichern. So bekommt man ein gutes Gefühl für den aktuellen Preis und sieht, wenn ein Auto mehrere Wochen keinen Abnehmer findet. Dann ist das Vehikel entweder zu teuer, der Verkäufer wenig verhandlungsbereit oder es hat eventuell einen anderen Malus.

Lesen, studieren, kaufen

3. Das Kleingedruckte lesen Wer er ein Auto erwirbt, will möglichst vor unliebsamen Überraschungen verschont bleiben. Kauft man bei einem Händler, greift die Sachmängelhaftung. Bei einem Neuwagen sind es in der Regel zwei Jahre, bei einem Gebrauchtwagen die Hälfte. Eine Gebrauchtwagengarantie, die der Händler von sich aus oder gegen Aufpreis gewährt, ist im Grunde nichts anderes, als eine Reparaturkostenversicherung. \"Gerade hier gilt die Devise: ‚Lesen Sie das Kleingedruckte\\\'\", erklärt Silvia Schattenkirchner, Juristin beim ADAC. Dass Verschleißteile, wie Bremsen von diesen Garantieversprechen ausgenommen sind, ist logisch. Aber wie so oft gibt es auch eine Grauzone. Reißt der Keilriemen innerhalb eines vorgeschriebenen Wartungsintervalls und verursacht einen kapitalen Motorschaden, dann gibt es bereits Urteile, die von einem Mangel ausgehen. Schließlich muss ein Keilriemen die vorgeschriebene Zeit halten. Allerdings sind auch hier die besonderen Umstände zu beachten. Hat man einen Schaden erlitten, ist man in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf relativ fein heraus. Da muss der Verkäufer nämlich beweisen, dass der Mangel noch nicht vorlag, als das Auto den Besitzer wechselte. Nach einem halben Jahr greift dann die sogenannte \"Beweislast-Umkehr\". Dann ist der Spieß umgedreht. Dann muss der Käufer den Nachweis erbringen, dass der Schaden beim Besitzerwechsel bereits vorlag. Helfen kann da oft nur der Gang zum Sachverständigen. Schlechte Karten hat, wer ein Auto von einem Privatier kauft. Da sind keinerlei Haftungs- und Garantieansprüche geltend zu machen. Nur wenn eine \"Arglistige Täuschung\" vorliegt, geht es dem Anbieter des Fahrzeugs an den Kragen. Ein klares Beispiel wäre ein verschwiegener Unfall. Juristin Schattenkirchner hat einen ganz klaren Tipp für die Käufer: \"Fragen Sie konkret nach Schäden und nehmen die Angaben des Verkäufers in den Kaufvertrag auf.\" Stellt man nämlich im Nachhinein einen gravierenden Mangel fest, muss dem Verkäufer nachgewiesen werden, dass er davon wusste. Wie schwer das ist, kann sich jeder ausmalen. Eine Antwort auf einen konkreten Schaden kann dabei helfen. Außerdem darf der Verkäufer einen Mangel nicht bagatellisieren. Wenn angeblich nur der rechte hintere Kotflügel beschädigt ist, in Wirklichkeit aber das Fahrzeug einen heftigen Heckschaden hatte, bei dem auch die Crash-Struktur in Mitleidenschaft gezogen wurde, gilt das als Bagatellisierung.
4. Gründliche Vorbereitung Viele Schwächen kann man auch bei der ersten Besichtigung schon feststellen. Wer einen Experten für die Modellreihe kennt, sollte den unbedingt mitnehmen. Ist kein solcher Fachmann greifbar, hilft der Blick ins Internet. In Automobil-Foren, wie www.motortalk.de oder auch in Fach-Foren, die sich auf eine Marke beziehungsweise ein Modell spezialisiert haben, gibt es häufig eine Kaufberatung. Dort kann man sich die wichtigsten Infos und Schwachstellen heraussuchen und eine eigene Checkliste erstellen. Sich in dem jeweiligen Forum zu registrieren, hilft auf alle Fälle. Dann kann man direkt und ganz gezielt fragen und bekommt von den Mitgliedern auch den einen oder anderen wertvollen Tipp. Wer selbst die Modellhistorie kennt, entlarvt manche vollmundige Verkaufsanzeige als heiße Luft und so das Auto als Bastelbude. Wann gab es bei welcher Modellpflege welche Änderung und warum? Das ist nur eine der entscheidenden Fragen.

Genau hinschauen

5. TÜV und Dekra miteinbeziehen Auf Photos glänzen fast alle angebotenen Autos verführerisch. Doch wie schaut es unter dem Blech aus? Wer sich nur auf sein Auge und die Fairness des Verkäufers verlässt, könnte hinterher ein böses Erwachen erleben. Deswegen gilt beim Autokauf die Maxime: \"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser\". Bei der Probefahrt sollte man unbedingt beim TÜV oder der Dekra vorbeischauen und einen Fahrzeugcheck durchführen lassen. Noch besser ist es,, bei einer Niederlassung der betreffenden Marke vorbeizuschauen. Hat in den letzten sechs Monaten keine TÜV-Untersuchung stattgefunden, sollte man unbedingt auf dieser bestehen. Hat der Verkäufer etwas dagegen, sollte man von einem Kauf Abstand nehmen.
6. Blick ins Serviceheft Bei allen Fahrzeugen ist ein Blick in das Serviceheft unabdingbar. Hat der Vorbesitzer alle Inspektionen bei einer Niederlassung der Marke durchführen lassen, ist die Gefahr, ein heruntergerocktes Modell, in dem negative Überraschungen lauern, zu erwischen, schon mal deutlich gesunken. Nach Rücksprache mit dem Verkäufer kann man auch bei der Werkstatt anrufen und direkt nach der Historie des Autos fragen. Die Kontrolle sollte auch dort gewissenhaft erfolgen. Sindalle relevanten Servicepunkte bei jeder Inspektion abgehakt? Achten Sie auch auf das Datum und die Handschrift der einzelnen Services. Nicht wenige Autohändler haben Beziehungen zu Autohäusern und lassen die Inspektion nachträglich ausfüllen. Manchmal unterläuft dabei ein verräterischer Fehler. So hatte einmal ein Serviceheft zweimal das gleiche Datum, obwohl die Inspektionen laut Tachostand 15.000 Kilometer auseinanderliegen sollten.
7. Verhandeln - aber richtig! Alles passt. Die Entscheidung ist gefallen. Jetzt geht es ans Eingemachte. Das Feilschen um den richtigen Preis. Keiner hat irgendetwas zu verschenken. Schon gar nicht Geld. Gibt man kein Auto in Zahlung, hat man eine recht gute Ausgangsposition, um einen niedrigeren Preis zu erzielen. Schließlich will der Händler sein Fahrzeug vom Hof haben. Stehendes Kapital ist schlechtes Kapital. Machen Sie sich keine Sorgen, selbst wenn er beim Preis etwas runtergeht, macht er immer noch genug Gewinn. Falls Sie ihr Auto in Zahlung geben, muss auch das nicht zwingend ein Nachteil sein. Dann läuft die Feilscherei auf mehreren Ebenen ab. Wie viel bezahlt der Verkäufer für das alte Auto? Geben Sie einen vorhandenen Extra.Rädersatz dazu oder nicht? Deswegen ist es immer gut, einen so einen Joker in der Hinterhand zu haben. Das sind alles mögliche Ansatzpunkte, um einen guten Preis zu erzielen. Wichtig ist, dass Sie den Marktpreis Ihres Autos und dem neuen Wagen kennen. Auch hier hilft eine gründliche Recherche auf den bekannten Verkaufsplattformen. Gutes Verhandeln will gelernt sein. Das Feilschen um jeden Euro ist sicher nicht jedermanns Sache. Wenn man sich jedoch vor vergegenwärtigt, dass jeder Verkäufer einen gewissen Spielraum einkalkuliert, kann man schon etwas forscher an die Sache herangehen. Vor allem, wenn der Preis als \"Verhandlungsbasis\" ausgeschrieben ist.
Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll