Armin M. Reindl im Gespräch

Armin M. Reindl im Gespräch

Die schönsten Cabrio-Strecken

Das eMag „DaCabrio“ berichtet regelmäßig über aktuelle Cabrio-Modelle und gibt Tipps zu Cabrio-Reise-Routen und Ausflugszielen. mobile.de sprach mit Chefredakteur Armin M. Reindl.

 

 
 

 

Herr Reindl, mit dem Frühlingsanfang steht die neue Cabrio-Saison ins Haus – was macht den besonderen Cabrio-Lifestyle aus?

Mit einem Cabrio hat man die Möglichkeit, aus dem alltäglichen Trott auszusteigen. Es geht um Entspannung, den Fahrtwind, die Natur, das Vogelzwitschern. Durch das offene Verdeck hat man einen tollen Rundumblick über die Landschaften links und rechts neben der Straße.

Bei schönem Wetter möchte man eh raus – wenn man dann zu einem See oder in die Berge fahren und dabei die frische Luft einatmen kann, ist das eine abwechslungsreiche Art und Weise, den schönen Tag zu genießen.

Ich würde aber behaupten, dass es den „Cabrio-Lifestyle“ von früher so heute nicht mehr gibt. Man muss da zwischen den Klassikern (vor 1970) und den Neuwagen unterscheiden – das sind zwei völlig verschiedene Lebensgefühle.

Vor rund 20 bis 30 Jahren haben sich eher Exoten für Cabrios entschieden. Heute ist das bei den Cabrios so, wie bei „normalen“ Autos: Man kauft sich ein bestimmtes Image, wenn man sich für ein bestimmtes Fahrzeug entscheidet: Wer ein Premium-Fahrzeug kauft, erwirbt damit auch gleichzeitig das Image und das Feeling, das die Marke durch Werbung und Marketing aufgebaut hat.

Nichts gegen einen Peugeot 207 cc, aber es ist natürlich ein anderes Feeling, wenn ich in ein Porsche 911er Cabrio einsteige.

Fahren Sie selbst auch Cabrio?

Ja, ich fahre einen Alfa Spider, Baujahr 97. Den geb' ich auch nicht mehr her – der wird solange gefahren, bis er nicht mehr fährt. Ein toller Wagen!

Ich fahre jedoch nicht besonders viele Kilometer; er dient mehr der Freizeitgestaltung. Bei schönem Wetter unternehme ich gerne Spritztouren damit, z. B. Richtung Italien oder ins österreichische Kitzbühel.

Das Magazin „DaCabrio“ steht für Reisen, Lifestyle und Genuss. Was bedeutet „Genuss“ im Zusammenhang mit einem Cabriolet?

Wir verstehen uns als Cabrio-Reisemagazin und geben Tipps zu Reise-Routen und Wochenendausflügen. Dabei versuchen wir, auch die verschiedenen Regionen mit zu präsentieren: Was macht die Region aus? Welche Sehenswürdigkeiten gibt es? Was sollte man sich unbedingt anschauen, wenn man vor Ort ist?

Der Genuss beim Reisen mit Cabrios besteht aus dem Fahrgefühl – es geht um Entspannung und Freiheit.

Warum sollte man in einem Cabrio verreisen? Was macht das Reisen mit einem Cabrio besonders?

In einem Cabrio zu verreisen, bedeutet ein anderes Fahren als beispielsweise mit einer Limousine: Es geht nicht darum, möglichst schnell von einem Ort zum anderen zu kommen – statt der schnellsten wählt man eher die schönste Strecke, statt der Autobahn also Landstraßen und Bergpässe.

Dabei ist man mit 80 bis 100 km/h deutlich gemütlicher unterwegs, nimmt sich Zeit, genießt den Fahrtwind, die Natur, hört vielleicht die Vögel zwitschern – Reisen mit einem Cabrio bedeutet Entspannung pur!

Welche Reiseziele und -routen empfehlen sich für Cabrio-Fahrer?

Wer in die Berge oder an Seen fährt, hat tolle Landschaftsausblicke garantiert. Wunderschön ist z. B. die Anfahrt Südtirols über das Timmelsjoch (Grenzpass zwischen Österreich und Italien, höchster unvergletscherter Übergang zwischen Reschen- und Brennerpass; d. Red.) oder die Fahrt an den Gardasee den Brenner abwärts durch die kleinen Ortschaften.

Ebenso empfehlenswert sind die Alpenstraßen zwischen dem Bodensee entlang der deutschen Alpen bis nach Salzburg sowie die Strecken der verschiedenen, regelmäßig veranstalteten Oldtimer-Rallyes. Auf den jeweiligen Webseiten der Rallyes sind die Strecken zum Nachfahren verzeichnet.

Unter Cabrio-Fahrern natürlich besonders beliebt: die Klippenstraßen der Côte d'Azur – die Corniche zwischen Nizza und Monte Carlo – sowohl die untere am Meer entlang als auch die obere. Hier sollte man auch einfach mal ins Hinterland reinfahren, da ist man urplötzlich in einer ganz anderen Welt.

Was ist denn die schönste Cabrio-Strecke Europas, sozusagen „die Route66 der Cabrioten“, die man als Cabrio-Fahrer auf jeden Fall mal gefahren sein sollte?

Die Großglockner-Hochalpenstraße in Österreich zählt zu den absoluten Highlights unter den Bergpässen. Diese Strecke kann ich jedem Cabrio-Fahrer nur wärmstens empfehlen.

Welche Art von Cabrio-Fahrern gibt es?

Man kann Cabrio-Fahrer in drei Arten unterteilen: in den Klassik- und Oldtimer-Fahrer, den Youngtimer-Fahrer sowie den Cabrio-Fahrer, der mit einem modernen Fahrzeug unterwegs ist – wobei hier sicherlich zwischen dem jungen Single-Fahrer und dem deutlich älteren Fahrer, der vielleicht auch schon erwachsene Kinder hat, zu unterscheiden ist.

Während es für den einen um ein gewisses Freiheitsgefühl geht, rückt das Cabrio für den anderen bei der Freizeitgestaltung in den Fokus.

Klassik-Cabrio- und Youngtimer-Fahrer sind eher Bastler, denen es ums Detail geht.

Cabriolet-Fahrer moderner Autos geht es meist um schöne Autos, mit denen durch das Öffnen des Verdecks schnell und unkompliziert das gewisse Fahrgefühl aufkommt.

Aber ich denke, bei vielen Fahrern ist das Cabrio auch eher ein Zweitauto.

Sind Cabrio-Fahrer denn ein „besonderes Völkchen“?

Der ADAC hat vor einiger Zeit den Begriff des „Autowanderns“ aufgegriffen – ein Ausdruck, der aus den Anfängen der automobilen Zeit stammt. Damals hat man damit begonnen, lieber mit dem Auto durch die Gegend zu fahren als sich zu Fuß fortzubewegen.

Ich würde heutige Cabrio-Fahrer ebenfalls zu „Autowanderern“ zählen, weil sie sich auch mal abseits der gängigen Straßen bewegen oder spontan links und rechts abbiegen, um zu schauen, wohin ein Weg oder eine Straße führt.

Ist das Cabrio eine Art Statussymbol?

Ein Cabrio ist ein Traum, den man sich erfüllt. Gerade in Deutschland hat das Auto generell einen besonders hohen Stellenwert; das Cabrio stellt hier ein exklusives Fahrzeug dar und ist dementsprechend als Statussymbol zu sehen.

Aber auch hier kommt es darauf an, welches Fahrzeug ich fahre. Möchte ich ein Auto fahren, das mich ganz einfach von A nach B bringt oder möchte ich ein ganz besonderes Fahrzeug, das sich von anderen abhebt?

Ein MINI Cabrio z. B. hat hierzulande einfach einen anderen Status als das Cabrio eines asiatischen Herstellers – ohne diese abwerten zu wollen.

Gibt es eigentlich regionale Cabrio-Fahrer-Unterschiede? Naheliegend wäre ja z. B., dass in Süddeutschland durch die Sonnenstunden und die Landschaften mehr Cabrio gefahren wird als im Norden.

Das stimmt, das könnte man meinen. Interessanterweise hat aber Hamburg in der Tat einen höheren Cabrio-Bestand als z. B. München. Das belegen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes.

Noch erstaunlicher ist jedoch der Fakt, dass in England sogar mehr Cabrios zugelassen sind als in Deutschland – davon würde man ja zunächst auch nicht ausgehen. Wahrscheinlich möchte man dort die wenigen Tage, an denen es nicht regnet, intensiv nutzen. (lacht)

Gibt es einen Unterschied zwischen Cabrio-Fahrern und -Fahrerinnen? Worauf legt wer mehr und wer weniger wert?

Ob es einen wirklichen Unterschied gibt, weiß ich nicht. Aber man kann schon durchaus sagen, dass es zum einen sogenannte „Frauen-Cabrios“ gibt, also Modelle, die aus bestimmten Gründen eher von den Damen gekauft werden, wie z. B. der MX-5 oder der SLK, und zum anderen „Männer-Cabrios“, die eher die Herren bevorzugen.

Generell muss man beim Kauf, unabhängig vom Geschlecht, mehrere Dinge beachten: Es gilt, zu entscheiden, ob man lieber ein Cabrio fahren möchte – und damit auch zwei Rücksitze – oder einen Roadster, einen klassischen Zweisitzer.

Bevorzugt man ein Softtop (Stoffdach) oder fährt man das Fahrzeug auch im Winter und entscheidet sich deshalb eher für ein Hardtop?

Fährt man mit dem Wagen wirklich nicht mehr als 10 000 km im Jahr oder muss man mit dem Fahrzeug auch mal längere Strecken fahren – dann wäre ein Diesel vielleicht passender.

Welches Cabrio-Modell wird in diesem Jahr Ihrer Meinung nach in der hohen Gunst der Käufer stehen – machen das VW Beetle Cabrio und der Opel Cascada das Rennen?

Bei den Neufahrzeugen würde ich das Beetle Cabrio vorne sehen. Es wirkt gefälliger als das Vorgängermodell, mit dem waren viele seinerzeit ja nicht so zufrieden.

Opel hat mit dem Cascada ein beeindruckendes Fahrzeug auf den Markt gebracht und stößt damit schon fast ins Premiumsegment vor – ein guter Mittelklassewagen! Es gibt eine ganze Reihe von Ausstattungsreihen, die viele andere Fahrzeughersteller nicht bieten. Dass Opel mit dem Cascada jetzt wieder ein Cabrio im Portfolio hat, ist wirklich toll, das Unternehmen hat ja eine lange Cabrio-Tradition. So ein Auto tut der Marke gut.

Über DaCabrio:

Das Münchener eMag und Printmagazin „DaCabrio“ informiert seit 2000 regelmäßig über aktuelle Cabrio-Modelle und gibt Tipps zu Cabrio-Reise-Routen sowie Wochenendausflügen in Deutschland und Europa. Cabrio-Experte Armin M. Reindl ist Chefredakteur und Herausgeber seit 2001 von DaCabrio Magazin und DaCabrio eMag.

Text: Thilo Grösch | Bildmaterial: Armin M. Reindl