Tipps: Cabrio-Pflege

Tipps: Cabrio-Pflege

Cabrio-Pflege – aber richtig

Cabriolets wollen besonders einfühlsam gepflegt werden. Autosattlermeister Klaus Hermann Mayer verrät mobile.de wichtige Tipps zur Cabrio-Pflege.

 

 
 

 

Herr Mayer, wie sieht das frühlingsfitte Cabrio zum Saisonstart aus, worauf sollte man nach der Winterpause bzw. vor der ersten Cabrio-Ausfahrt der Saison besonders achten? 

Was vor dem Winter versäumt wurde, kann man teilweise nach dem Winter noch nachholen:

  • Zunächst das Verdeck zurückklappen und mit einem feuchten Tuch alle Kontaktflächen entlang der Front- und Seitenscheiben reinigen.
  • Den Verdeckkastenbereich sollte man ggf. mit dem Staubsauger weitmöglichst reinigen.
  • Sodann Silikonspray auf ein weiches Tuch aufbringen und die Kontaktflächen sowie alle Gummidichtungen nachbehandeln.
  • Anschließend alle Gelenke und insbesondere auch die beweglichen Teile der Verdeckverschlüsse am Frontscheibenrahmen mit geringen Mengen Öl benetzen und dabei bewegen, so dass das Öl in die Gelenkspalte eindringen kann.
  • Alle Schrauben und Bolzen auf korrekten Sitz prüfen.
  • Dann kann man das Verdeck verschließen und eventuell überschüssiges oder abtropfendes Öl entfernen.
  • Abschließend Verdeck und Heckscheibe vorsichtig reinigen und die erste Ausfahrt genießen.

Welche Verdecksorten gibt es und wo liegen die fundamentalen Unterschiede?

Sorten lassen sich zum einen nach Material unterscheiden, d. h. Kunststoff oder Textil, wobei Kunststoff aufgrund des mittlerweile nur noch sehr geringen Preisunterschiedes fast bedeutungslos geworden ist. Zum anderen kann man nach Bauart unterscheiden: einerseits das leichte „Roadster“-Verdeck ohne Polsterung und bzw. ohne Innenhimmel, andererseits das aufwendig verarbeitete „Cabriolet“-Verdeck mit Himmel und meist auch noch einer Zwischenpolsterung.

Letzteres hat sich in der jüngeren Vergangenheit auch aufgrund der Konkurrenz zu den Vario-Stahl-Faltdächern stärker verbreitet, um bessere Ganzjahrestauglichkeit zu bieten.

Vario-Stahl-Faltdächer bestehen aus mehreren zurückklappbaren Festelementen, was zwar praktisch ist, aber erheblich Kofferraum kostet und zudem sehr weit nach hinten gezogene Frontscheibenrahmen und hochgezogene Heckbereiche bewirkt. Das sieht, meiner Meinung nach, oftmals zu brav aus.

Das viel kleiner zusammenfaltbare Stoffdach hingegen eröffnet viel größere Design-Spielräume und lässt auch im Gegensatz zum Vario-Stahldach „echtes“ Cabrio-Feeling aufkommen, sowohl für den Fahrer als auch für den außenstehenden Betrachter.

Verdeckpflege, Imprägnierung, Reinigung: Welche besonderen Unterschiede gibt es hier bei Kunststoffdächern und Textilverdecken?

Jedes Material muss mit dafür vorgesehenen Mitteln behandelt werden. Kunststoffpflege auf einem Stoffdach ist genauso tödlich wie Textilreiniger auf einem Vinylverdeck.

Mazda MX-5 (Bild: Klaus Hermann Mayer)Worauf sollte man bei der Pflege eines Stoffverdecks generell achten?

Das Standardproblem ist das Waschen. Hier ist weniger mehr; Waschanlage oder Hochdruckreiniger dürfen nur im Ausnahmefall und mit viel Vorsicht benutzt werden, spätestens nach zwei Sommern sollte erstmals nachimprägniert werden, danach einmal pro Saison.

Ansonsten bei der Wagenwäsche das Verdeck nicht mitwaschen, sondern nur den Staub vorsichtig ausklopfen oder -bürsten.

Immer wieder ein Problem bei Cabrio-Fahrern: Verschleiß und Reinigung von Heckscheiben aus Kunststoff. Haben Sie hier einige Tipps für unsere Leser?

Kunststoffscheiben sind ein Verschleißteil bzw. meist die empfindlichsten Teile des Verdecks. Daher sollte die Scheibe stets sauber gehalten und beim Zusammenlegen des Verdecks mit einem weichen Tuch vor Kontakt mit dem benachbarten Material geschützt werden.

Das einzelne Auswechseln einer Kunststoffscheibe lohnt meist nicht, da diese Arbeit nur selten perfekt gelingt und nach einiger Zeit die Nahtbereiche unschön oder gar undicht werden. Zudem muss die Verdeckhaut vorsichtig vom Verdeckgestänge entfernt werden, um überhaupt unter die Nähmaschine zu passen – womit höhere Montagekosten entstehen als bei der Montage eines neuen Verdecks.

Somit ist ein Scheibentausch eher zur „Gebrauchtwagenaufmöbelung“ geeignet.

Welche Besonderheiten gibt es bei der Pflege von Teppich und Leder im Cabrio?

Die einzige Besonderheit ist, dass bei der Lederpflege der erhöhten Sonneneinstrahlung Rechnung getragen werden muss.

Durch häufiges und regelmäßiges Auftragen von Lederfett muss der Materialaustrocknung durch UV-Einstrahlung entgegengewirkt werden, wobei exponierte Bereiche wie z. B. Kopfstützen oder Sitzoberkanten besonderes Augenmerk verdienen.

Auf was sollte man unbedingt achten, wenn man mit dem Cabrio in die Waschanlage fährt?

In erster Linie sollte man Waschanlagen möglichst meiden oder zumindest die Bürste für den Dachbereich abschalten lassen, das ist bei vielen Waschanlagen möglich.

Ansonsten sind die regelmäßigen Waschanlagen-Besucher unsere besten Kunden.

Mercedes 300 SL Cabriolet (Bild: Klaus Hermann Mayer)Seit 1977 besteht Ihr Unternehmen bereits. Welche Art von Cabrio-Besitzern gehören zu Ihrem Kundenstamm? 

Wir haben Kunden aus den Klassik-Abteilungen mehrerer deutscher Automobilhersteller, liefern aber auch weltweit an zahlreiche namhafte Restaurierungsbetriebe sowie an Sammler und Privatkunden im In- und Ausland.

Welches waren die bisher spektakulärsten Cabrio-Ausstattungswünsche, die Kunden bei Ihnen orderten?

Die spektakulärsten Ausstattungswünsche haben wir gerne jenen Firmen überlassen, die glaubten, damit reich und berühmt zu werden – und diese gibt es heute alle nicht mehr.

Wie unterscheidet sich Ihre internationale Kundschaft in Hinsicht auf spezielle Zubehör-Produkte oder Ausstattungswünsche im Cabrio-Bereich?

Das Thema „klassische Fahrzeuge“ unterliegt kaum regionalen oder nationalen Unterschieden; somit lassen sich auch kaum Unterschiede feststellen.

Vor 20 oder 30 Jahren gab es noch exotische Sonderwünsche, insbesondere bei der arabischen Kundschaft, dies ist heutzutage kaum noch der Fall.

Was ist Ihr persönlicher Klassiker in der Welt der Cabrio-Young und -Oldtimer?

Der Mercedes 300 SL Roadster von 1957 mit all seinen Nachfolgemodellen.

Zur Person:

Schon seit 1977 leitet der diplomierte Autosattlermeister Klaus Hermann Mayer sein Unternehmen im baden-württembergischen Esslingen. Von dort aus vertreibt das Traditionsunternehmen KHM Kraftfahrzeugtechnik vorzugsweise Verdecke und Innenausstattungen für Cabrios und Sportwagen in die ganze Welt.

Text: Thilo Grösch, Philip Leimkugel | Bildmaterial: photoiron - Fotolia.de