Cabrio-Luxus und Cabrio-Komfort

Cabrio-Luxus und Cabrio-Komfort

Dachlos glücklich

Wohin entwickelt sich die spezielle Cabrio-Technik und welche Länder sind besonders vernarrt in die Oben-Ohne-Fahrkultur?

Von Sylt bis zum Bodensee: Deutschland, einig Cabrio-Land. Die Bundesrepublik gilt als einer der absatzstärksten Märkte für Cabrios und Roadster. Mehrere Zehntausend Neuzulassungen verzeichnet dieses spezielle Zweitwagen-Segment Jahr um Jahr auf dem deutschen Markt.

Da überrascht es nicht, dass gerade die Modelle einheimischer Hersteller das Angebot an emotionsstarken Freizeitfahrzeugen dominieren – und deren Kundschaft wird immer anspruchsvoller, zumal bei einer derart auf pure Lebensfreude ausgerichteten Fahrzeug-Kategorie wie dem Cabrio-Segment. Mehr Komfort, ausgefeiltere technische Finessen: Der Verbraucher verlangt viel von seinem Cabrio, und das treibt herstellerseitig die Innovationsfreude immer wieder an.

Über neueste technische Einwicklungen und kulturell-bedingte Fahrtwindgefühle in Deutschland und anderswo sprach mobile.de zum Start in die Cabrio-Saison 2013 mit Markus Aigner, Produktmarketing, und Denis Credé, Leiter der Entwicklung Sound und Akustik, von der AUDI AG.

 

 
 

Sich freimachen – per Fernbedienung

„Multifunktionale Alltagstauglichkeit“ – ein Kernbegriff der Automobilbranche, der stets auch für das prestigeträchtige Cabrio-Segment beherzigt werden muss. Mitunter ist es vielleicht nur eine elegant-praktische Verdeck-Fernbedienung, die einen potentiellen Cabrio-Käufer nachhaltig emotionalisiert.

Für einen hohen Funktionskomfort sorgen bei einem Cabriolet meist jene kleinen, kaum wahrnehmbaren und doch luxuriösen Finessen. Was für Außenstehende als bloße Spielerei erscheinen mag, macht für Markus Aigner, beim Ingolstädter Automobilhersteller tätig im Produktmarketing, „die Technik für den Fahrer erlebbar“.

Und es sind gerade solche Kleinigkeiten, die das Bild eines technisch fortschrittlichen Fahrzeugs für die umworbene Kundschaft in entscheidender Weise abrunden können.

Der richtige Sound zum Cabrio-Feeling

Nicht weniger peripher anmutend und in gleicher Weise das subjektive Luxusempfinden eines Cabrio-Freundes anregend – die Welt der Surround-Systeme, technisch hochentwickelte Audio-Systeme mit speziellen Cabrio-Einstellungen. Denn auch für Cabrio-Fans macht nicht allein der Fahrtwind die „Musik“.

Denis Credé, bei Audi verantwortlich für die Entwicklung Sound und Akustik, führt als Beispiel die Technik des dänischen Herstellers Bang & Olufsen an. Bei diesem System misst ein Mikrofon die Geräuschkulisse, die entsteht, sobald das Dach geöffnet wird. Entsprechend der beim verdeckfreien Fahren entstehenden Klangkulisse hebt die Anlage nicht nur die Lautstärke, sondern auch den Frequenzzugang variabel an. Dies sei gerade bei tiefen Frequenzen notwendig, um Windgeräusche adäquat zu überdecken, so Denis Credé.

Für moderne Soundsysteme seien „ein offenes und ein geschlossenes Cabrio“ eben gleichsam „zwei eigenständige Fahrzeugvarianten“.

Klare Sache: Ein Stoffverdeck muss sein

Freizeit-Luxus jenseits des überdachten Arbeits- und Büroalltags – das bedeuten nicht allein technische Raffinessen, sondern auch spezielle Design-Konzepte und die Besonderheiten der Cabrio-Philosophie einer Marke.

Zur ewigen Diskussion um die Vor- und Nachteile von Hard- beziehungsweise Softtop-Verdecken meint Markus Aigner: Für den Automobilhersteller sei dies keine Frage von richtig oder falsch, sondern eine Sache der jeweiligen Philosophie. Ein klassisches Cabrio könne beispielsweise auch ein Stoffverdeck besitzen, dies habe technische und optische Gründe.

„Es ist leichter, bietet durch die kompakte Falttechnik mehr Platz im Kofferraum, und die Dachlinie verläuft gleichmäßig über das gesamte Fahrzeug. So bleibt die dynamische Seitenansicht erhalten“, so Aigner.

Britische Sportlichkeit und Savoir-vivre

Cabrio-Fans gibt es weltweit. Dennoch: Je weiter südlich man in den Klimazonen der Erde vordringt, desto weniger Cabrios wird man dort tendenziell antreffen. Kein Wunder bei Temperaturen von weit über 35 Grad wie etwa im Nahen Osten. Der global tätige Cabriolet-Hersteller Audi hat seine „treuesten Cabrio-Fans“ daher „vor allem in Großbritannien, Deutschland und den USA“, verrät Aigner.

Die Ansprüche dieser internationalen Kundschaft an den ganz privaten Cabrio-Luxus sind mitunter jedoch recht unterschiedlich: Während die Briten eher sportlich unterwegs seien und daher verstärkt Sportpakete ordern würden, bevorzugten Franzosen das komfortable Fahrerlebnis, unterstützt von Extras wie klimatisierten Sitzen.

Viele Wege führen also zum persönlichen Cabrio-Glück. Ob Soft- oder Hardtop, schottischer Spätsommer oder flirrend-heißes Frankreich: Garagentor hoch, Verdeck runter – die Cabrio-Saison ist eröffnet!

Text: Philip Leimkugel, Lars Jentsch | Bildmaterial: Audi