Cabrios – Finanzen, Versicherungen, Youngtimer

Cabrios – Finanzen, Versicherungen, Youngtimer

Wertobjekt Cabrio

Der Bewertungsdienstleister für Oldtimer „classic-car-tax“ betreibt Marktbeobachtung für Oldtimer und Liebhaberfahrzeuge. mobile.de sprach zum Start der Cabrio-Saison mit Geschäftsführer Frank Wilke.

 

 
 

 

Herr Wilke, ab wann ist ein Youngtimer ein Young- und z. B. noch kein Oldtimer?

Anders als beim Oldtimer, der mindestens 30 Jahre alt sein muss, um ein historisches Kennzeichen zu erhalten, gibt es beim Youngtimer keine klar definierte Altersgrenze. Oft wird diese zwar bei 20 Jahren Mindestalter gezogen, aber auch das ist ziemlich willkürlich und orientiert sich eher an den Tarifklassen der Versicherer.

Uns gefallen diese Begrifflichkeiten ohnehin nicht, wir sprechen meistens von „Liebhaberfahrzeugen“, das kann auch mal ein fünf Jahre alter Wiesmann Roadster sein.

Die Cabrio-Saison hat begonnen, viele Autofahrer entscheiden sich jetzt für den Kauf eines gebrauchten Cabrios. Wie würden Sie einen optimal durchgeführten Such-, Bewertungs- und Verhandlungsprozess idealtypisch beschreiben? Welche besonderen Unterschiede gibt es hier zwischen dachlosen Youngtimern und einem eher sportlichen Cabrio-Jahreswagen?

Beim Jahreswagen spielen solche Themen wie Originalität, Rost und Pflegezustand natürlich keine Rolle, hier geht es allein um Laufleistung, Ausstattung und Preis. Später teilen sich die Gebrauchtwagen dann in beliebte Youngtimer wie einen Mazda MX-5 oder Mauerblümchen wie ein Rover 216i Cabrio auf.

Am Anfang des Entscheidungsprozesses sollte man erst einmal die eigenen Fahrgewohnheiten und sein Bankkonto analysieren: Wie viel möchte ich in einen Youngtimer investieren, welche Reserven habe ich, was bekomme ich für mein Geld und welches Modell passt zu mir?

Zuverlässige Infos liefern da Oldtimer-Fachzeitschriften wie Motor Klassik oder Youngtimer, während Internetforen häufig nur die halbe Wahrheit darstellen. Wer selbst kein Experte ist, sollte zum Kauf einen neutralen Dritten oder einen Kfz-Sachverständigen mitnehmen. Denn wenn der lang gesuchte Traumwagen endlich vor einem steht, verliert man gerne mal die Objektivität.

Und wie beim normalen Gebrauchtwagen gilt auch beim Oldtimerkauf: Ein bisschen was geht beim Preis immer.

Gibt es eigentlich spezielle Cabrio-Versicherungen – und was gilt es, beim Abschluss solcher Spezial-Versicherungen zu beachten?

Cabrios fallen bei den meisten Versicherungen in den günstigen Tarif für Liebhaberfahrzeuge. Zu beachten ist, dass diese günstigen Tarife fast immer an eine relativ geringe maximale Jahresfahrleistung gekoppelt sind, die oftmals im Bereich von 3 000 bis 5 000 km pro Jahr liegt. Zusätzlich müssen meistens ein weiteres Alltagsfahrzeug sowie eine Garage vorhanden sein.

Ein Cabriolet ist kein Alltagsauto – tendieren Cabrio-Fahrer deshalb eher dazu, ihre Fahrzeuge unter zu versichern? Was können Sie gerade Cabrio-Besitzern für die regelmäßige Bewertung ihrer Fahrzeuge empfehlen?

Frank Wilke von classic-car-taxInsbesondere Cabrios werden schneller zu Liebhaberautos, als man denkt. Was gestern noch ein normaler Gebrauchtwagen war, kann morgen schon ein gesuchtes Sammlerauto geworden sein, dessen Wert bereits gestiegen ist – plötzlich ist man unterversichert, ohne es zu merken.

Einen kostenlosen Preisüberblick bekommt man auf diversen Portalen im Internet. Auf dieser Grundlage kann man das Fahrzeug für die Versicherung bei einem Sachverständigen bewerten lassen, in der Regel kostet das einmalig um die 150 Euro.

Existiert in anderen Ländern beim Thema Cabrios jeweils eine besondere klima- oder markenbedingte “Versicherungskultur”?

Die Grundprinzipien der Autoversicherung sind in fast jedem europäischen Land gleich: Was neu, teuer, schnell und bei Dieben begehrt ist, kostet hohe Versicherungsprämien.

Ebenso gibt es aber mittlerweile fast überall Spezialangebote für Liebhaberfahrzeuge, auch für neuere, die eine vorsichtige und geringe Nutzung mit geringeren Prämien belohnen.

Youngtimer, Autoklassiker, Motorveteranen – welche Fahrzeugmodelle im Cabrio-Segment eignen sich Ihrer Erfahrung nach wirklich als sinnvolle Wertanlage?

Wer nichts verkehrt machen möchte, sollte ein attraktives, gut motorisiertes Modell eines Premium-Herstellers aus den 1950er bis frühen 70er Jahren wählen, etwa einen Porsche 356 oder Mercedes SL.

Der Markt für hochwertige Vorkriegscabrios ist zwar auch interessant, hat aber seine eigenen Gesetzmäßigkeiten und ist für Neulinge oft schwer einzuschätzen.

Zum bevorzugten Anlageobjekt ist in den vergangenen drei bis vier Jahren der Ferrari 250GT California Spider aus den späten 50ern geworden. Unsere Auktionsdatenbank zeigt aber auch, dass man hier unter sechs Millionen Euro kaum noch einsteigen kann.

Mal angenommen, ich, kein erfahrener Autobastler, möchte mir ein Youngtimer-Cabrio zulegen – welches Modell würde sich da empfehlen? Oder empfiehlt sich da gar überhaupt kein Youngtimer?

Wenn Sie da bei deutschen Großserienprodukten von BMW, VW, Porsche oder Mercedes bleiben, kann so gut wie nichts schiefgehen. Mit diesen Autos kennt sich der Großteil der Werkstätten noch aus, Firmen wie BMW oder Mercedes unterhalten ohnehin bundesweit Stützpunkte mit Old- und Youngtimer-Experten.

Interessant ist auch die Online-Datenbank des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), darin kann man seine nächstgelegene, auf Old- und Youngtimer spezialisierte Werkstatt suchen.

Der Youngtimer-Fahrer an sich – was für ein Typ ist das? Wie sieht für ihn der Cabrio-Lifestyle aus?

Den typischen Youngtimer-Fahrer gibt es wahrscheinlich genau so wenig wie den typischen Oldtimer-Fahrer. Aber: Der Youngtimer-Fahrer stellt andere Ansprüche an Fahrleistungen, Komfort und Zuverlässigkeit, dort sucht er eher die Nähe zum modernen Auto. Die Optik darf dagegen klassisch, zumindest aber charakteristisch sein.

Für viele Youngtimer-Fahrer ist ihr Auto – und das ist nicht negativ gemeint – kein Lebensinhalt, sondern dient zur Untermalung ihres individuellen Lebensstils.

Es gibt verschiedene Youngtimer-/Oldtimer-Rallyes. Welches sind Ihrer Meinung nach die schönsten?

Man muss da nicht unbedingt große Namen bemühen, bei einer Rallye kommt es vor allem auf die Strecke, das Auto und das Wetter an.

Zugegeben, die Mille Miglia hat natürlich ihre ganz eigene Faszination. Ebenfalls eine ganz eigene Position haben die Classic Days auf Schloss Dyck, obwohl sie ein Festival und keine Rallye sind. Wer die besucht und nachher kein Old- oder Youngtimerfan ist, dem kann ich auch nicht helfen.

Ihr persönlicher Cabrio-Liebling?

Das Rolls-Royce Silver Cloud III „Chinese Eyes“ Cabrio. Das ist, sie möge es mir verzeihen, Audrey Hepburn auf vier Rädern.

Text: Thilo Grösch