Mercedes G-Klasse (Serie)

Alle Modelle mit Tests, Daten, Preise und Kosten

Einst aus einem Militärauftrag vor fast 40 Jahren von Lkw-Konstrukteuren entwickelt, ist die Mercedes-Benz G-Klasse einer der letzten echten Geländewagen auf dem Markt, wird zugleich aber auch als Statussymbol und Luxuskarosse gehandelt. Äußerlich hat sich der kantige Offroader seit seiner ersten Markeinführung im Jahr 1979 in den Grundzügen kaum verändert. Dafür erfüllt das Interieur durch den Einbau zeitgemäßer Technik, Motoren und Materialien höchste Komfort-Ansprüche.

Daten

Daten

Wer sich heute eine G-Klasse vom Händler zulegt, hat mindestens 245 PS unter der Haube. Diese Leistung entwickelt der als einziger Diesel im Angebot verbliebene 350d, der das Auto dank immerhin 600 Nm Drehmoment in 8,8 Sekunden auf Tempo 100 schiebt. Mit einer Endgeschwindigkeit von 192 km/h ist der Selbstzünder die langsamste G-Klasse – aber auch die sparsamste mit einem Normverbrauch von 9,9 Litern Diesel. Mit 17,0 Litern Superplus auf der anderen Seite steht das stärkste Modell, der 65 AMG V12, der 230 km/h schnell ist und den Wagen mit der Kraft von 630 PS und 1000 Nm in 5,3 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Die beiden übrigen V8-Benziner kommen auf 422 PS und 571 PS. Die G-Klasse ist 4,66 Meter lang, hat 480 Liter Stauraum und eine Anhängelast von 3500 Kilo.

  • durchweg starke Motoren
  • hoher Verbrauch
  • als Zugfahrzeug geeignet
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Test

Test

Dass sich die G-Klasse vom hemdsärmeligen Allradler zum Luxus-Geländewagen mit PS-Überfluss entwickelt hat, ist Thema in den meisten Tests. Müssen 20-Zoll-Felgen und ein bärenstarkes AMG-Triebwerk an Bord eines Autos sein, das fahrwerkstechnisch mit Starrachsen an der Geländegängigkeit festhält? Die Achskonstruktion sorgt zwar dafür, dass man mit der G-Klasse durch dick und dünn kommt. Doch wer bis zu 1000 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle wirft, würde den kantigen SUV-Dino schnell zum Umkippen bewegen, wenn nicht ein konservativ eingestelltes ESP das zu verhindern wüsste. Sein Fahrwerk lässt den Geländegänger rumpelig abrollen, der Geradeauslauf wird als mäßig bewertet, der Federungskomfort als schwach. Wenig Lorbeeren ernte auch das Kurvenverhalten, was angesichts der Konstruktion nicht weiter verwundert. Kurzum: Bei ihrem Preis ist die G-Klasse etwas für absolute Fans – von denen es aber wohl eine ganze Menge gibt.

  • vorbildliche Geländeeigenschaften
  • mäßiger Federungskomfort
  • früh einregelndes ESP
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Preise

Preise

Eine G-Klasse kostet ab 90.636 Euro, zu diesem Preis steht der Diesel in der Liste. Teuerste Ausführung neben den Sonderausführungen wie dem 6x6 oder dem Landaulet ist das V12-Modell, das über 270.000 Euro kostet. Damit hat sich der Geländegänger vom einigermaßen erschwinglichen Pragmatiker der Anfangsjahre zu einem der teuersten Mercedes’ überhaupt gewandelt. Auch die Betriebskosten sind immens – schon allein wegen des übermäßigen Spritdurstes. Trotzpflaster: Die G-Klasse ist ein vergleichsweise sehr wertstabiles Auto.

  • hoher Anschaffungspreis
  • hohe laufende Kosten
  • vergleichsweise geringer Wertverfall
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Beschreibung

Serienbeschreibung

Im Jahr 1972 begann die Entwicklung des G-Modells mit einer Kooperation von Daimler-Benz und Steyr-Daimler-Puch im österreichischen Graz. Nachdem 1973 ein erstes Holzmodell im Maßstab 1:1 gefertigt war und ein Jahr später der erste fahrbereite Prototyp, dauerte es noch weitere fünf Jahre, bis das erste Serienmodell der Presse vorgestellt wurde. Produziert wurden dann ab 1. Februar 1979 die Modelle 240 GD, 300 GD, 230 G und 280 GE – mit einer Leistungsspanne von 72 PS bis immerhin 150 PS im Sechszylinder-Benziner 280 G.


Der Innenraum der ersten G-Modelle war im Vergleich zu heutigen spartanisch.

Das G-Modell fuhr auf einem Leiterrahmen, verbaut waren Blattfedern. Der serienmäßige Allradantrieb konnte schon mittels vollsynchronisiertem Verteilergetriebe ebenso wie die Geländeuntersetzung und die Sperren auch während der Fahrt zugeschaltet werden. Zunächst gab es ausschließlich ein Viergang-Schaltgetriebe, schon bald aber folgten die Modelle 280 GE und 300 GD mit ebenfalls vierstufigem Automatikgetriebe. Als Karosserievarianten gab es das Cabriolet mit kurzem Radstand sowie der sogenannte Station-Wagen und die Kastenausführung mit kurzem und langem Radstand. Hinzu kam als militärische Ausführung ein offener drei- oder fünftüriger Geländewagen mit langem Radstand und Planenverdeck.

Der Innenraum der ersten G-Modelle war im Vergleich zur heutigen G-Klasse geradezu spartanisch: Die Designer geizten bei der Innenverkleidung, viele lackierte Blechflächen lagen offen, das zweispeichige Lenkrad sah nicht gerade robust aus und die Instrumententafel war bestenfalls sehr funktional.

Evolution zum Luxus-Geländewagen

Die Entwicklung der G-Klasse in den darauffolgenden Jahren lässt sich anders als bei anderen Fahrzeugmodellen eher als stetige Evolution als mit Generationenschritten beschreiben. Die kontinuierliche Entwicklung zum Luxus-Geländewagen von heute begann 1981 mit der ersten bestellbaren Klimaanlage. Motorenseitig gab es 1982 die erste Benzineinspritzung statt eines Vergasers im neuen 230 GE mit 125 PS. Auch eine Zusatzheizung oder Breitreifen auf Alufelgen konnten bestellt werden. 1985 folgt das Klappverdeck statt der einfachen Plane beim Cabrio.

Parallel zu den ab 1986 eingeführten Modellen mit geregeltem Katalysator ging auch die Komfort-Entwicklung kontinuierlich weiter. 1987 gab es erstmals elektrische Fensterheber und eine automatische Antenne, 1988 folgen Armlehnen für Fahrer- und Beifahrersitz. 1989 führte Mercedes parallel zur weiter angebotenen Baureihe 460 die neue, komfortablere Baureihe 463 ein. Neu war hier vor allem der permanente Allradantrieb und ABS auf Wunsch – sowie als Option für die ersten Ästheten unter den Geländefahrern – eine Edelholz-Innenausstattung. Und auch die Rückbank wurde bequemer gestaltet. Mit diesen Schritten erschloss Mercedes neue Käuferschichten für den Geländewagen und überzeugte Kunden, die auch abseits befestigter Wege auf Komfort nicht verzichten wollten. Stärkste Ausführung war damals der 300 GE mit 170 PS.

Im Jahr 1993 folgte eine kleine Zäsur: Mit dem ersten Achtzylinder-Motor deutete Mercedes an, dass der Geländegänger langsam auch als Fahrzeug mit Luxuspotenzial und – trotz der konstruktionsbedingt eher mäßigen Straßenlage – sportwagenähnlichen Fahrleistungen gehandelt werden sollte. Der in einer Kleinserie von 50 Stück aufgelegte 500 GE verfügte bereits über 241 PS. Im Herbst des Jahres sortierte sich das G-Modell dann offiziell unter der Bezeichnung G-Klasse ins Mercedes-Portfolio.

Die Grundeigenschaften der G-Klasse als Geländefahrzeug werden erneuert

Die behutsame Weiterentwicklung des Klassikers zum modernen Lifestyle-SUV folgte mit innen belüfteten Bremsscheiben und serienmäßigem Fahrerairbag (1994), Zentralverriegelung per Fernbedienung und Wegfahrsperre (1995) sowie Scheinwerfer-Reinigungsanlage, Tempomat und Beifahrerairbag (1996). 1998 fuhr ein neues Spitzenmodell vor, der G 500 mit 296 PS, und 1999, zum 20. Geburtstag der G-Klasse, legte erstmals der Mercedes-Werkstuner AMG Hand an: Der G 55 AMG mit 354 PS starkem V8-Motor wurde präsentiert.

Die Eigenschaften der G-Klasse als Geländegänger wird 2001 grundlegend erneuert. Eingeführt wurden elektronische gesteuerte Fahrstabilitäts-, Traktions- und Bremsregelsysteme, die die Bodenhaftung und Fahrstabilität in allen erdenklichen Lagen und damit auch die Vortriebskraft verbessern sollten. Zum 25-jährigen Produktionsjubiläum 2004 trat ein neues AMG-Modell auf den Plan: der G 55 AMG Kompressor mit 476 PS und 700 Nm Drehmoment. Zwei Jahre später wurde das Aggregat auf 500 PS verstärkt, womit es die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,5 Sekunden absolvierte. Bei 210 km/h wurde allerdings elektronisch abgeregelt.

Zur gleichen Zeit kündigte Mercedes mit dem G 320 CDI einen modernen Diesel an, der für viele Kenner als der beste „G“ aller Zeiten gilt. Sein V6-Motor leistete 224 PS, bekam einen serienmäßigen Dieselpartikelfilter und Abgasturbolader mit elektrisch verstellbaren Leitschaufeln sowie das Siebenstufen-Automatikgetriebe 7G-TRONIC. Als Basispreis für die Kurzversion nannte Mercedes 68.425 Euro.

2007 erhielt die G-Klasse neben einer Rückfahrkamera auch ein neues Kombiinstrument sowie das damals neue Infotainment-System Comand APS mit DVD-Navigationssystem, Radio, CD-Player und Telefontastatur. Äußerlich waren die Änderungen an einem neuen Kühlergrill zu erkennen.

Eine Modellpflege jagt die nächste

Nachdem 2009 zwei Sondermodelle mit den Namen Edition30 Pur und Edition30 aufgelegt wurden, unterzog Mercedes die G-Klasse drei Jahre später einer weiteren Modellpflegemaßnahme. Die Front wurde dezent retuschiert (nun leuchteten auch LED-Leisten unter den Frontscheinwerfern), das Cockpit moderner, und der erste Zwölfzylinder in der Geschichte der G-Modelle feierte seinen Einstand: Der G 65 AMG bezog aus 6,0 Litern Hubraum 612 PS und sollte mindestens 264 180 Euro kosten. Auch ein Einparkassistent und ein Abstandstempomat waren zu haben.

Die Motoren hat Mercedes zuletzt 2015 überarbeitet – nach dem oft verfolgten Motto: mehr Leistung, weniger Verbrauch. Wobei die G-Klasse immer ein Spritschlucker geblieben ist. Auch der aufwendig aufgebockte, auf extremen Portalachsen fahrende G 500 4x4x2 kam ins Portfolio – zum Startpreis von 226.100 Euro. Die Geschichte der G-Klasse hat aber auch einige andere bemerkenswerte Sonderausführungen hervorgebracht, darunter ein Papamobil zum Schutze des Papstes (erstmals 1980) oder einen Dreiachser mit extremer Bodenfreiheit und 6x6-Antrieb (2013).

In punkto Luxus aber schießt das im Frühjahr 2017 auf dem Genfer Salon vorgestellte Modell Landaulet den Vogel ab. Es ist um 60 Zentimeter gestreckt, hat ein elektrisches Stoffverdeck und hinten die gleichen Liegesessel wie die Maybach-Version der S-Klasse. Als Antrieb fungiert ein 630 PS starker V12-Motor, der gewaltige 1000 Nm Drehmoment entwickelt und das 3,3-Tonnen-Gefährt in unter sechs Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigt. Das auf 99 Exemplare limitierte Modell kostet 749.700 Euro.